Tour 2016

Ein Jahr mit dem Fahrrad unterwegs


USA
KANADA


Entlang der Westküste, von Vancouver bis San Diego.


Route in den USA

Neuseeland
 


Auf der Nord- und Südinsel.


Route in Neuseeland

Australien
Tasmanien


Von Adelaide nach Melbourne, Tasmanien, und von Sydney nach Brisbane.


Route in Australien

Italien
Sardinien, Korsika


Unsere Heimreise durch Italien, über Sardinien und Korsika.


Route in Europa

Unterwegs in Neuseeland

Wir waren auf beiden Inseln Neuseelands unterwegs. Auckland war der Startpunkt und der Endpunkt unserer Reise durch Neuseeland.
In der nebenstehenden Abbildung kannst Du die Route unserer Reise durch Neuseeland sehen. Durch Anklicken gelangst Du zur Kartenansicht.

Davor waren wir fast drei Monate in den USA und radelten von Vancouver nach San Diego.
Anschließend waren wir in Australien, um von dort nach Europa zurückzukehren.

15.11.2016 - Die ersten Tage in Neuseeland

Wir sind in Neuseeland. Am anderen Ende der Welt. Zumindest von Deutschland aus gesehen. Bei der Ankunft in Aukland auf der Nordinsel erst mal nichts Besonderes. Netter kleiner Flughafen. Zuerst Passkontrolle. Dahinter drehte auch schon unser Gepäck seine Runden auf dem Förderband. Dann galt es noch die Biosecurity zu passieren. Sie hat die Aufgabe, Krankheiten oder Schädlinge von Neuseeland fernzuhalten. Dementsprechend mögen die Beamten kein verdrecktes Outdoorequipment, Schuhe oder gar Fahrräder. Besonders Lebensmittel sind tabu. Beamten mit speziell ausgebildeten Hunden laufen überall am Flughafen herum. Die Hunde beschnüffeln alles und suchen nach Illegalem. Nun sollte sich zeigen ob es ausgereicht hatte, dass wir in Los Angeles einen Tag lang geschuftet und geschrubbt und alles auf Hochglanz gebracht hatten. Letztlich überzeugt hatte wohl, dass Daniela mit ihrem Finger mit einer theatralischen Geste unter dem Schutzblech ihres Fahrrads entlang fuhr und der Beamtin anschließend den sauberen Finger präsentierte. Letztlich ging dann alles ratzfatz und wir waren fast ein bisschen enttäuscht, hatten wir doch die wildesten Geschichten über die Biosecurity gehört.
Neuseeland hatte uns sofort begeistert. Anfangs waren wir total aus dem Häuschen. „Schau nur, die haben richtiges Gras, mit Gänseblümchen und Schafen oben drauf, überhaupt das Ganze Grün überall und die vielen Vögel und ihr allgegenwärtiges Pfeifen und Piepen“. Nach den Tagen in Los Angeles kam es uns vor, als hätte uns unser Flieger direkt im Paradies abgesetzt. OK, im Paradies fahren die Autos nicht auf der falschen Straßenseite und die Straßen sind vernünftig asphaltiert. Nicht mit diesem eingewalzten Schotter, der jeden Vorwärtsdrang eines Fahrrads im Keim erstickt. Sicherlich bläst im Paradies auch nicht ständig so heftiger Wind und wenn doch, dann nicht direkt von vorne, sondern als Rückenwind. Ach ja, und solch steile Steigungen gibt es da sicherlich auch nicht. Also doch nicht im Paradies gelandet. Die Strecken sind mörderisch. Wir sind noch nie so viele steile Anstiege in so kurzer Zeit gefahren. Ein bisschen sind wir auch stolz auf uns, dass wir das mit all dem Gepäck auch schaffen. Da war die USA ein gutes Trainingslager.
In Neuseeland gibt es sehr viele deutsche Touristen (noch ein Indiz dafür, dass es nicht das Paradies sein kann). Überall schnappt man deutsche Wortfetzen auf. Die allermeisten die wir bisher trafen, sind mit dem Auto unterwegs. Meist in gemieteten Vans oder gebraucht gekauft, dann oft in fragwürdigem Zustand. Sie dienen zugleich als Fortbewegungsmittel und als Unterkunft. Wir kamen uns als Reiseradler vor wie Aliens zwischen all den Autotouristen.
Vielleicht ist es für Radtourismus auch einfach noch ein bisschen zu früh im Jahr, denn das Wetter war bisher doch recht unbeständig. Die Sonne lugte zwar immer wieder hervor, meistens regnete es aber. Die Temperaturen waren aber OK zum Radfahren. Der Wind war das Hauptproblem, denn er wehte sehr stark, in Böen stürmisch. Er sorgte dafür, dass wir schlecht vorankamen. Zum einen weil er bremste, zum anderen weil er dazu führte, dass ich (Martin) eine ordentliche Erkältung bekam. Starkes Schwitzen und kalter Wind sind halt nicht besonders verträglich. Glücklicherweise blieb Daniela bisher von Krankheit verschont.
Das Erdbeben auf der Südinsel nördlich von Christchurch hatten wir nachts im Zelt in Tauranga miterlebt. Es war ganz schön gruselig, obwohl es bei uns auf der Nordinsel sicherlich sehr schwach war. Es hatte sich angefühlt, als ob jemand den Boden auf dem wir im Zelt lagen hin und her geschoben hätte. Unsere Zeltlaterne hatte ganz schön geschwankt. Ansonsten war hier auf der Nordinsel aber nichts weiter.
Neuseeland ist ziemlich teuer. Auch die Campingplätze. Dafür ist der Standard hier sehr hoch und viele Plätze sind sehr komfortabel. Das ist natürlich sehr angenehm. Man muss nur aufpassen, denn man gewöhnt sich sehr schnell daran. Genauso schnell wie an die Burgerrestaurantbesuche in den USA, die wir uns hier leider abgewöhnen mussten.

26.11.2016 - Maori und Vulkane

Rotorua, die Stadt der dampfenden, blubbernden Tümpel. Thermal ist hier das Schlagwort. Der Wind verteilt die faulig-schwefligen Dämpfe über die ganze Stadt. Je nach Wetterlage führt das zu einem olfaktorischen Desaster. Jedoch fragten wir uns gelegentlich, wenn wir so durch Rotorua schlenderten, ob nicht eher einer der Passanten schuld an dem schwefligem Wölkchen war, das unsere Nasen umspielte. Fällt ja nicht weiter auf in dieser Gegend.
Kaum zu glauben, dass Rotorua sich unter diesen Bedingungen zum Toristenzentrum Nr.1 in Neuseeland entwickelt hat. Vielleicht liegt es auch an der geschickten Vermarktung der Maorikultur und der Anwesenheit des höchsten Geysiers der südlichen Hemisphäre im nahegelegenen Te Puia. Wir hatten diesen Ort auch besucht, inklusive Maori Tanzvorstellung und der obligatorischen Busladungen mit Asiaten. Schön war es trotzdem.
Die Strecke von Rotorua nach Taupo, am gleichnamigen See gelegen, war offenes Farmland und bot wenig an dem das Auge hängen blieb. Zudem hatte sich das Wetter leider dazu entschieden den Ventilator im Dauerbetrieb laufen zu lassen. Dies bedeutete für uns Windgeschwindigkeiten bis zu 60km/h und dies natürlich exakt von vorne. So quälten wir uns mit nicht viel mehr als Schritttempo über die Straßen.
Die Strecke entlang des Lake Taupo war dafür umso schöner. Der Wind hatte ein wenig nachgelassen aber leider die Richtung beibehalten. Dafür belohnte uns das Wetter mit freier Sicht auf die Vulkangipel des Mount Ruapehu und des Mount Ngauruhoe.
Die Straße entlang des Sees war zum Teil sehr schmal. Sie schmiegte sich auf der linken Seite eng an die Felsen und fiel auf der andere Seite zum See hin steil ab. Nicht viel Platz für Radfahrer, wenn sich die großen Trucks vorbei drückten.
Der Mount Ruapehu prägte noch längere Zeit die Landschaft. Er ist 2797m hoch und damit der höchste Vulkan Neuseelands. Gleichzeitig ist er der höchste Punkt der Nordinsel. Bei der Durchquerung des Vulkanplateaus im Tongariro Nationalpark thronte er eindrucksvoll über der weiten Ebene. Immer den kleinen Bruder Mount Ngauruhoe an seiner Seite.
Nach dem Nationalpark fuhren wir auf der Whanganui River Road weiter Richtung Süden. Die Straße wand sich von Pipiriki nach Wanganui durch das Flusstal. 120km sollte der Tacho am Ende des Tages anzeigen. Nach ca. 80km ging uns das Wasser aus. Das war wirklich blöd von uns. Auf unserer Karte war an dieser Stelle ein Campingplatz eingezeichnet. In Wirklichkeit war es nicht mehr als eine Wiese mit Klohäuschen und Wasserhahn. Das Wasser schmeckte aber so faulig, dass wir es nicht trinken konnten.
Nun galt es das letzte Stück bis Wellington zu schaffen. Drei Tage sollten wir dazu brauchen, denn das Wetter war regnerisch. Die Strecke führte auf dem verkehrsreichen State Highway 1 entlang. Selbst nach den Erfahrungen aus Kanada und den USA war dieser Highway beängstigend. Besonders die zahlreichen, sehr schmalen Brücken waren eigentlich für Fahrradfahrer unbefahrbar. Immer wieder hörten wir von Fahrradreisenden die entnervt aufgegeben hatten. Ein Reiseradler aus der Schweiz erzählte uns von einem Spanier, den er weinend am Straßenrand aufgefunden hatte. Wir konnten es inzwischen gut nachvollziehen.
So nervenaufreibend das Fahren auf dem Highway war, so langweilig war die Umgebung. Offenes Farmland vor den weit entfernten, wolkenverhangenen Bergen, und die Straße meist eine endlose Gerade. 30km hatten wir am zweiten Tag bereits geschafft, als der Regen sich zurück meldete. Da standen sie plötzlich vor uns. Silber glänzende, elegante Triebwagen, mit blauen, runden Fahrradsymbolen. Es war der Regionalzug von Waikanae nach Wellington. Was für eine Freude. Kein Highway mehr. Regen völlig egal. Nur Fahrräder in die ebenerdigen Waggons schieben, in die bequemen Sitze lümmeln und eine Stunde aus dem Fenster schauen. Schwubs waren wir für 25NZ$ mitten in Wellington. Das Leben kann so schön sein.

29.11.2016 - Wellington

Wellington ist die Hauptstadt und damit das politische und kulturelle Zentrum Neuseelands. Der Spitzname “Windy City“  kommt von den starken Winden, die sich durch die exponierte Lage am Meer ergeben. Wir konnten eine Kostprobe davon genießen. Noch nie zuvor hatten wir (ohne Alkohol) Schwierigkeiten, beim Laufen die Richtung zu halten.
Nach unserer Ankunft mit dem Vorortzug von Waikanae, rollten wir mit unseren Fahrrädern in die Stadt. Kaum Verkehr. Alles wirkte sehr ruhig und total entspannt. Das erinnerte uns sofort an Vancouver. Wir fuhren ein Stück am Hafen entlang. Der Wind trug ein rhythmisches Trommeln zu uns herüber. Wir folgten den Klängen und erreichten die Queens Wharf. Auf einem mit Segeln überdachten Platz trommelte eine Taiko Gruppe. Wir schauten uns um und wollten unseren Augen kaum trauen. Über einem Restaurant mit Bierbänken davor, prangte ein blauweißes Schild: “München Food Hall and Bier Haus“. Unser erster Gedanke: „Hier gibt es bestimmt Radler!“. Und tatsächlich. Kurze Zeit später servierte uns eine nette junge Dame im passenden Dirndl, ein frisch gezapftes, original Münchner Hofbräu Export mit Zitronenlimonade, zu original Oktoberfestpreisen.
Eine der Attraktionen in Wellington ist die Standseilbahn, das Wellington Cable Car. Sie führt zum botanischen Garten, dem Carter Sternobservatorium und dem höher gelegenen Stadteil Kelburn Nicht die einzige Ähnlichkeit mit San Francisco. Aufgrund der vielen Hügel und steilen Straßen wird Wellington gerne mit der berühmten Stadt in Kalifornien verglichen.
Nach zwei entspannten Tagen in Wellington und einem Friseurbesuch bei einer jungen Friseurin aus Nürnberg, fuhren wir mit der Fähre nach Picton auf die Südinsel. Nach all den positiven Berichten von anderen Reisenden, waren wir schon sehr gespannt was uns dort erwarten würde...

10.12.2016 - Picton bis Christchurch

Die Fähre nach Picton teilten wir uns mit fast 20 McLaren Sportwagen, die sich auf der "Epic McLaren New Zealand Tour" befanden. Während sich die Teilnehmer in der Premium Lounge bei Häppchen und Getränken vergnügten,  machten wir es uns auf Deck der Fähre bequem.
Aufgrund des Erdbebens, das einige Tage zuvor den Norden von Christchurch erschüttert hatte, wurde der State Highway 1 gesperrt. Wir mussten deshalb unseren ursprünglichen Plan aufgegeben, der uns auf dem Highway 1 entlang der Küste nach Süden geführt hätte. Nun mussten wir eine Route durch das Landesinnere finden.
Nach der Ankunft in Picton entschlossen wir uns dort zu campen und dann am nächsten Tag auf dem Queen Charlotte Drive nach Havelock zu fahren. Dann weiter nach Nelson und über den State Highway 6 bis an die Westküste nach Westport. Aufgrund der Sperrung der Ostküstenroute wurden große Teile der Strecke auch von LKWs genutzt. Die Fahrer versuchten den Zeitverlust durch die längere Route auszugleichen und fuhren entsprechend schnell auf der engen Straße. Nicht sehr angenehm für uns. Zum Glück konnten wir teilweise auf Nebenstraßen ausweichen.
So beispielsweise auf Teile des Mountains to Sea Trail, der vom Highway weg zum Lake Rotoroa führt. Auf dieser Strecke mussten wir vier mal einen Fluss queren. Der Fluss war an diesen Stellen nicht besonders breit und nicht besonders tief und eine Furt führte hindurch. Diese war aber recht rutschig und die Strömung relativ stark. Die erste Stelle querten wir fahrend. Die anderen hatten wir dann doch lieber Barfuss geschoben.
Auf der Zeltwiese von Berlins, einem Backpacker Hostel mitten im Nirgendwo, machten wir unsere erste Bekanntschaft mit Sandflies. Die berühmten kleinen Biester sind wirklich grauenhaft. Wir hatten bis dahin keine Probleme gehabt und waren dementsprechend unvorbereitet. Das Ergebnis war, dass jeder von uns dutzende Stiche hatte. Der quälende Juckreiz raubte uns noch tagelang den Schlaf. Teilweise bildeten sich aus den Stichen schmerzhafte Blasen.
Unsere neue Route führte uns letztlich bis Greymouth an die Westküste. Bis zu 8000mm Regenfälle im Jahr (inkl. Alpen) geben der Westcoast den Spitznamen “Wet Coast“. Auch wir hatten Regen und die Vorhersagen ließen keine Besserung erkennen. Schließlich entschlossen wir uns nach Christchurch zu flüchten. Es besteht eine Zugverbindung über den Arthurs Pass von Greymouth nach Christchurch. Aus Kostengründen nahmen wir den Bus. Ein ziemliches Abenteuer. Zusammen mit einem Paar aus den Niederlanden quetschten wir unsere Fahrräder in einen viel zu kleinen geschlossenen Anhänger. Wir mussten dazu “nur“ den Lenker querstellen, die Vorderräder ausbauen und den Sattel tiefer stellen. Unsere holländischen Mitreisenden zerlegten das halbe Fahrrad, bis es endlich in den Hänger passte.
Der Bus war grauenvoll und hatte nichts mit den schönen Fotos im Internet zu tun. Alles war dreckig, die Chemietoilette stank entsetzlich und nach 20 Minuten Fahrt war wegen Motorschaden Schluss. Der Bus wurde nach halbstündigem Warten durch ein Modell gleicher Bauart ersetzt. Die Toilette schien besser abgedichtet. Die Holländerin besprühte sich trotzdem vorsichtshalber mit Unmengen von Parfüm. Jegliches fehlen einer Stoßdämpfung, ließ die Fahrt über die schmalen und schlechten Straßen zu einer ziemlichen Schaukelei werden.
Letztlich ging alles gut und wir waren froh als wir in Christchurch den Bus verließen und die Räder unbeschädigt in Empfang nehmen konnten.

15.12.2016 - Christchurch

Die größte Stadt der Südinsel wurde 2011 von einem schweren Erdbeben erschüttert und große Teile der Gebäude wurden zerstört oder stark beschädigt. Prominentestes Beispiel ist die Kathedrale von Christchurch, deren Turm vollständig eingestürzt war. Seither steht der Rest der Kathedrale ungenutzt da und wartet auf eine Entscheidung, was damit geschehen soll. Ein japanischer Architekt hat die Cardboard Cathedral als Ersatzkirche entworfen, deren Dach aus Kartonröhren hergestellt wurde. Die Kirche wird oft als hässlich beschrieben. Uns hat sie mit Ihrer modernen und hellen Atmosphäre sehr gefallen.
Überall in der Stadt wurde eingerissen, aufgebaut und saniert. Vieles wurde als Provisorium neu errichtet. So die “Pappkathedrale“ oder auch das Einkaufsviertel "Re:Start", das vollständig aus Containern errichtet wurde.
Der botanische Garten schließt sich am Museum an und hat uns ebenfalls gut gefallen. Überhaupt haben wir uns in Christchurch sehr wohl gefühlt. Es ist schwer zu sagen woran das gelegen hatte. Vielleicht war es die einzigartige Atmosphäre des Wiederaufbaus, die allem anhaftete.
Wir selbst waren auf einem Campingplatz in einem Vorort nördlich von Christchurch untergebracht. Am zweiten Tag wollten wir weiter zur Banks Peninsula, einer Christchurch vorgelagerten Halbinsel. Auf dem Weg dorthin wurde ein Knacken an meinem (Martins) Fahrrad immer lauter. Letztlich stellte sich heraus, dass das Tretlager, dass sich schon in San Francisco verdächtigt gemacht hatte, nun tatsächlich einen Schaden hatte. Also umkehren und zurück nach Christchurch. Dort sollte es dann weitere zwei Tage dauern, bis wir mit einem neuen Tretlager endlich unsere Weiterreise antreten konnten.

20.12.2016 - Von Christchurch zum Mount Cook

Im wesentlichen folgten wir der offiziellen Radroute “Christchurch to the Alps“, um von Christchruch zum Mount Cook zu gelangen. Die ersten drei Tage bis zum Burkes Pass waren geprägt durch ewig lange, gerade Straßen und teils starkem Gegenwind. Die Straßen waren eben und weites Weideland umgab uns. Wegen dem Wind kamen wir trotzdem nur langsam voran und es schien als ob wir an der Straße festkleben würden.
An einer steilen Steigung, auf dem State Highway 79, mussten wir schieben. Kräftiger Seitenwind drückte uns mehrmals in die Mitte der Fahrbahn. Der ständige Wind wurde langsam zu einem Problem.
Am Lake Tekapo empfing uns der See mit stürmischem Wetter. Der See beheimatet an seiner Südseite die berühmte Church of the Good Shepherd, die schon für unzählige Postkarten herhalten musste. Natürlich wollten wir auch ein Foto von der Kirche machen. Ein Einheimischer gab uns den Rat morgens um fünf dort zu sein um keine asiatischen Reisegruppen mit auf dem Bild zu haben. Wir waren vor Sonnenaufgang an der Kirche, leider genauso wie viele der Asiaten auch.
Der etwas westlicher gelegene Lake Pukaki ist mit dem Lake Tekapo durch einen Kanal verbunden. Eine Straße führt daran entlang und kann von Radfahrern genutzt werden. Die Straße ist größtenteils geschottert. Wieder hatten wir starken Seitenwind. Fallwinde, die von den Bergen in stürmischen Böen ins Tal rauschten. Große Teile mussten wir schieben. Mit all dem Gepäck auf den grob geschotterten Straßen zu fahren war bereits mühsam. Mit den Böen wurde es unmöglich.
Der immer präsente Wind der letzten Tage, die Lautstärke und die Kälte des Windes, der ständige Kampf gegen die Böen. All das machte uns immer mehr zu schaffen und zermürbte uns zunehmend.

Tourismus

Über vier Millionen Kiwis (Einheimische) und circa zweieinhalb Millionen Touristen tummeln sich jährlich auf den beiden Inseln Neuseelands...

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22.12.2016 - Mount Cook

Am Lake Pukaki fuhren wir zunächst südlich nach Twizel, um dort die Nacht zu verbringen. Am nächsten Tag war strahlend schönes Wetter, kaum ein Lüftchen. In der Ferne thronte Mount Cook in einem wolkenlosen blauen Himmel. Auf dem Weg zurück zum Lake Pukaki passierten wir den Flugplatz von Twizel. Schon am Tag zuvor waren uns die Schilder für diverse Rundflüge zum Mount Cook aufgefallen. Schnell reifte der Plan einfach mal nachzufragen, wann denn der nächste Termin frei wäre. Wir machten uns keine Hoffnungen. Nach kurzem Warten landete eine kleine Cessna und ein paar Fluggäste stiegen aus. Wir erklärten kurz unser Anliegen und Chris, der Pilot, bot uns an sofort wieder mit uns abzuheben. “Es ist der perfekte Tag“, schwärmte er. “This flight will blow you out of your socks!“. Was soll man sagen, er hatte nicht zu viel versprochen (www.redcat.nz).
Die Bergkulisse war atemberaubend. Auf den Gipfeln lag Neuschnee und die Sicht war sehr gut. Die Flugroute führte uns über die Bergkämme bis in Sichtweite der Westküste und wir überflogen die berühmten Gletscher Fox Glacier und Franz Josef Glacier. Interessant war für uns auch, dass wir die Route die wir die letzten Tage genommen hatten, nun aus der Vogelperspektive betrachten konnten. Der Flug war unglaublich ruhig. Eben bestes Flugwetter.
Angespornt von diesem tollen Erlebnis und dem schönen Wetter, war die Fahrt zum Mount Cook an der Westseite des Lake Pukaki der perfekte Abschluss. Wir fuhren bis Glentanner in dieser herrlichen Bergkulisse. Der Campingplatz in Glentanner bot eine große Küche mit angeschlossenem Aufenthaltsraum. Aus den großen Fenstern schauten wir direkt zum Mount Cook hinüber und konnten beim Essen den Sonnenuntergang genießen.
Glentanner ist auch Basis der Fluggesellschaft “The Helicopter Line“, die neben Rundflügen auch Linienflüge in den Southern Alps durchführt. Ein offizieller Radweg führt an der Ostseite des Lake Pukaki bis zum Mount Cook und auf der anderen Seite wieder zurück. Das Problem ist, dass die beiden Strecken nicht miteinander verbunden sind. Um die Route komplett zu fahren, können Fahrräder für 125NZ$ mit dem Helikopter transportiert werden. So etwas verrücktes gibt es wohl nur in Neuseeland.

28.12.2016 - Alps To Ocean Trail - Vom Mount Cook an die Küste

Der “Alps to Ocean“ Radweg (A2O) führt vom Mount Cook an die Ostküste nach Oamaru und folgt dabei ungefähr den State Highways 8, 80 und 83.  Teile der Strecke sind straßenbegleitend und wurden neu angelegt. Hierfür wurde feiner Schotter aufgeschüttet und man hatte leider versäumt diesen auch fest zu walzen. So gaben wir nach kurzer Zeit auf und benutzten an diesen Passagen die Straße. Die schwer bepackten Räder sanken zu tief ein und machten das Fahren sehr mühsam.
Der Radweg bietet viel Abwechslung und mit Lake Ohau, Lake Benmore und Lake Aviemore gleich drei Seen. Er führt bei Duntroon durch die Elephant Rocks. Teile der Strecke sind ziemlich offroad und hatten uns etwas Schwierigkeiten bereitet. Genauso wie die unzähligen Gatter die wir passieren mussten. Ganz Neuseeland besteht im wesentlichen aus Zäunen. Es gibt dort kaum einen Flecken Erde, der nicht eingezäunt ist. Einige wenige der Gatter ließen sich normal öffnen. Andere waren verschlossen und man hatte stattdessen schmale Durchfahrten für Fahrräder errichtet. Zu schmal für bepackte Reiseräder.
Von Oamaru fuhren wir nach Dunedin, der zweitgrößten Stadt auf der Südinsel. Dunedin hat einen wunderschönen Bahnhof. Züge fahren hier noch regelmäßig. Sie transportieren aber nur noch Touristen auf verschiedenen Strecken. In einem Waldstück hinter dem Bahnhof sahen wir viel Rauch aufsteigen. Einheimische erklärten uns, dass es sich um ein Buschfeuer handelt. 40 Feuerwehrleute und drei Helikopter hatten es aber unter Kontrolle, so dass keine weitere Gefahr bestand.

13.01.2017 - Viel Wind und Pinguine

Unser Plan war den Otago Rail Trail zu fahren. Eine ehemaligen Zugtrasse, die unbeschwertes Radfahrvergnügen bietet. Fernab vom Verkehr haben die Neuseeländer auf diesem Trail so etwas wie Radtourismus entwickelt.
Ein Zug fährt von Dunedin aus ins Landesinnere nach Middlemarch. Von dort startet der Rail Trail. Das Problem waren ca. 200NZ$ die uns der Spaß gekostet hätte. Also selbst geradelt. Wir hatten die Strecke ein wenig unterschätzt. Es war windig und kalt an diesem Tag, und mit knapp 1400Hm sehr hügelig und anstrengend.
Der Rail Trail war sehr schön zu fahren. Geringe Steigungen und eine gute Infrastruktur sorgten für Urlaubsstimmung. Nicht ohne Grund begegnete uns auf dieser Strecke ein Vielfaches mehr an Radfahrern, als irgendwo sonst in Neuseeland.
Danach wollten wir zurück an die Küste. Der Otago Rail Trail endet jedoch bei Alexandra. Zwei weitere Trails führen von dort weiter zur Küste am Clutha River entlang. Der Roxburgh Gorge Cycle Trail und der Glutha Gold Trail. Teile der Strecke sind nicht fahrbar, weil sie über Privatgrund führen. Ein Jetboot überbrückt die Problemstelle und erzeugt dabei ein weiteres Problem. Diesmal wären 190NZ$ fällig gewesen. Also wieder auf den Highway 8 und selbst geradelt. Wieder hoch und runter und wieder kalt und windig.
Ab Lawrence begannen die Probleme mit dem Wetter immer größer zu werden. Dreimal Hagelsturm an einem Tag, immer wieder Regen und sehr sehr kalte Winde. Zum Teil war es sonnig und unsere Bilder zeigen auch ganz gutes Wetter. Der Schein trügt jedoch. Das Wetter wechselte im Minutentakt von Weltuntergang zu strahlend blau, während die Wolken über den Himmel rasten.
Die Stimmung wurde immer schlechter und wir begannen an unserer Tour zu zweifeln. Der übliche Tiefpunkt, den wohl jeder Reiseradler durchlebt. Wir machten eine längere Pause auf einem sehr schönen Campingplatz in Balclutha um unsere Gedanken und unser Equipment neu zu ordnen. Schließlich schickten wir knapp 5kg unseres Gepäcks nach Hause und nahmen damit nicht nur die Last von unseren Rädern. Es hatte einfach gut getan alles neu zu durchdenken.
Aufgrund des Wetters saßen wir einige der folgenden Tage aus und kämpften in der restlichen Zeit gegen den Wind an, um schließlich Invercargill zu erreichen. Unsere ganze Hoffnung lag nun auf dem Wendepunkt bei Te Waewae. Dort wechselt der Highway 99 die Richtung und unsere Route führte fortan Richtung Norden. Wir drehten unsere Räder in den Wind…
Trotz der Probleme mit dem Wetter hatten wir viele schöne Erlebnisse. Ein definitives Highlight waren die Cathedral Caves in den Catlins. Und natürlich die Gelbaugenpinguine. In der Curio Bay befinden sich versteinerte Reste eines Walds die bei Ebbe sichtbar werden. Dort brüten auch die Pinguine und kehren am Abend aus dem Meer zu ihren Nestern zurück. Zahlreiche Touristen warteten natürlich darauf und hatten sich in der ganzen Bucht verteilt. Ein Ranger passte auf, dass niemand einem der Tiere zu nahe kam. In dem Moment, in dem diese seltenen Pinguine dann an Land kamen, legte sich eine unwirkliche Ruhe über die Bucht. Alle Touristen beobachteten schweigend und still das Schauspiel. Es hatte etwas andächtiges und war sehr eindrücklich für uns.

Begegnungen

Wie schon geschrieben, sind es vor allem die Menschen die wir treffen, die unsere Reise zu etwas besonderem machen...

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22.01.2017 - Der Süden bis Te Anau

Abgesehen von Regen und Wind, hinterließ die Strecke von Curio Bay bis Invercargill kaum Eindrücke bei uns. Südlich von Invercargill befindet sich das Städtchen Bluff. Es gilt als die südlichste Siedlung Neuseelands, wenn man die Halfmoon Bay auf Stewart Island nicht mitrechnet. Der südlichste Punkt der Südinsel befindet sich etwas weiter östlich am Slope Point. Wir hatten beide nicht besucht. Die Straße nach Bluff war uns zu windig und zu viel befahren. Slope Point interessierte uns nicht. In Invercargill wurden wir von einer etwas seltsamen Dame regelrecht beschimpft, als wir ihr erzählten, dass wir nicht nach Bluff fahren würden. Wir könnten doch nicht durch Neuseeland reisen ohne in Bluff gewesen zu sein. Doch, doch wir können…
Auf dem Weg nach Manapouri, das am gleichnamigen See liegt, wurden wir mit einem herrlichen, sonnigen Tag und einer Landschaft wie vom Wandkalender belohnt. Wir waren ganz euphorisch. Sollten wir tatsächlich Glück haben und sollten wir im Fjordland ein paar schöne Tage ohne den üblichen Regen verbringen können? Wir blieben eine Nacht in Manapouri und fuhren danach gleich weiter nach Te Anau, dem Ausgangspunkt unserer Ausflüge in den Fjordland National Park.

24.01.2017 - Milford Sound und Doubtful Sound

Der Neuseeländer spart nicht an Superlativen, wenn es um die Beschreibung der Sehenswürdigkeiten seines Landes geht. Meist ist das übertrieben und natürlich der Vermarktung geschuldet. Im Falle des Fjordland National Parks ist diese Art der Übertreibung weder nötig, noch möglich. Es handelt sich schlichtweg um eine der schönsten Landschaften dieser Erde.

Zum Milford Sound führt eine schmale und steile Fahrsstraße, die sehr dicht mit Touristenbussen und Campervans befahren ist. Sie steigt bis hinauf auf 900m und führt danach wieder hinunter bis auf Meereshöhe. Zudem befindet sich am Gipfel der Homer Tunnel. Ein in den Fels geschlagener, 1,3km langer, einspuriger Tunnel, mit 10 Prozent Steigung und funzeliger Beleuchtung. Die Straße ist zwar inzwischen asphaltiert, der Randbereich den man mit dem Fahrrad benutzen muss, ist aber nach wie vor geschottert. Die Durchfahrt ist definitiv nichts für Radfahrer und nach unserer Information auch zwischenzeitlich verboten. Übernachtungsmöglichkeiten sind zudem rar und so haben wir auf eine Fahrt mit dem Fahrrad verzichtet.
Wir hatten von Te Anau aus jeweils eine kombinierte Fahrt mit Bus und Boot mit Real Journeys gebucht. Die Fahrt zum Milford Sound führte durch eine spektakuläre Felslandschaft. Mit dem Boot tuckerten wir anschließend durch den Sound bis hinaus auf die Tasmanische See, vorbei an eindrucksvollen Wasserfällen und den mit Regenwald bewachsenen Bergen.

Der Doubtful Sound ist weniger berühmt als der Milford Sound. Schwer verständlich, denn in Sachen Schönheit, steht er dem Milford Sound in nichts nach.
Der Doubtful Sound ist nur über eine Kombination aus Schiff und Bus zu erreichen. Nach einer Überfahrt über den Lake Manapouri und einer Busfahrt durch eine mit Regenwald bewachsene Passhöhe, gelangten wir zum eigentlichen Startpunkt, von dem aus dann die Schifffahrt durch den Sound begann.
Wie in dieser Gegend üblich, war das Wetter regnerisch. Wir hatten aber relativ wenig Niederschlag und es war auch Sicht vorhanden. Das Schöne gegenüber Sonnenschein war, dass sich durch den nebligen Dunst die mystische Stimmung des Regenwalds voll entfalten konnte. Die Fahrt dauerte fast drei Stunden. Höhepunkt war ein Abstecher in einen Seitenarm, der zu einem Ort namens "Sound of Silence" führte. Das Schiff stoppte und alle Motoren und Generatoren wurden ausgeschaltet. Es legte sich eine majestätische Stille über den Sound und wir konnten für ein paar Minuten diesen besonderen Augenblick genießen.
Die Landschaft erinnerte uns an den Film Jurassic Park und tatsächlich wird gern erzählt, dass Steven Spielberg einige Szenen für den Film im Doubtful Sound drehen wollte. Er gab das Vorhaben aber auf, nachdem die Filmcrew drei Monate vergeblich auf gutes Wetter wartete. So ist das halt an der Westküste Neuseelands. Das Wetter macht auch für Hollywood keine Ausnahme.

28.01.2017 - Te Anau bis Queenstown

Von Te Anau führt der State Highway 97 in einem großen Bogen nach Queenstown. Alternativ trifft man südöstlich von Te Anau auf den “Around The Mountains Trail“, der auf einer geschotterten Straße auf direktem Weg bis zur Walter Peak Station am Lake Wakatipu führt. Queenstown ist dann auf der anderen Seite des Sees. Um dort hin zu gelangen fährt zweimal am Tag das historische Dampfschiff TSS Earnslaw von Walter Peak nach Queenstown. Die Earnslaw von 1912, gilt als das einzige noch in Betrieb befindliche, kohlenbefeuerte Dampfschiff der Welt. Es transportierte bereits Schafe, und Berühmtheiten wie Queen Elizabeth oder Bill Clinton. Und nun auch uns.
Da die Strecke von Te Anau nach Queenstown für eine Tagesetappe zu lang war, übernachteten wir auf dem DOC Campingplatz am Lake Mavora. Sehr schön gelegen, aber Massen von Sandflies. Außerdem waren wir die halbe Nacht wach, weil sich eine Maus Zugang zu unseren Essensvorräten verschaffen wollte und sich nicht davon abbringen ließ.
Der Around The Mountains Trail war wunderschön zu fahren aber sehr anstrengend. Hier auf der Südinsel hatten wir es ja schon immer feucht, windig und kalt. Auf den 100km Schotterstraße froren wir aber zum ersten Mal so richtig. Die Route führte uns von 200m auf über 700m Höhe. Auf der Abfahrt schlotterten wir erbärmlich und hatten eiskalte Hände. Wir schworen uns, dass wir in Queenstown im nächstbesten Outdoorladen ein paar vernünftige Handschuhe kaufen würden.
Die Tage zuvor hatte es stark geregnet. Wir mussten zwei Flüsse queren, die dementsprechend viel Wasser führten. Zudem war das Wasser undurchsichtig braun, so dass wir den Grund nicht sehen konnten. Letztlich war es aber kein Problem und das Wasser reichte nur bis zu unseren Waden.
Je näher wir nach Queenstown kamen umso besser wurde das Wetter. Die Stadt war furchtbar hektisch und touristisch. All die vielen Touristen, die nach Zeitvertreib und Aktivität hungerten, überforderten uns Anfangs. Queenstown ist die erste Adresse für Outdooraktivitäten in Neuseeland. Dementsprechend überlaufen ist die Stadt. Auf den Hausberg Bob’s Peak fährt eine Standseilbahn. Oben befinden sich diverse Restaurants mit einem spektakulären Ausblick, und einer spektakulären Anzahl an asiatischen Touristen.
Wie beschrieben war Queenstown völlig überlaufen. Wir hatten Glück und fanden einen Platz auf dem überfüllten aber schönen “Creekside Holiday Park“ in der Stadt. Letztlich blieben wir drei Tage und fanden doch noch gefallen am sonnigen Urlaubsflair dieser am Lake Wakatipu wunderschön gelegenen Stadt.

04.02.2017 - Von Queenstown an die Westküste

Von Queenstown folgten wir dem State Highway 6 über Cromwell nach Wanaka. Wie zuvor schon in Queenstown gab es in Wanaka eine Filiale der Patagonia Chocolaterie, die neben Schokolade auch preisgekrönte Eiscreme verkauft. Jeder darf genau einmal raten, ob wir nach all den Strapazen das beste Eis Neuseelands probiert haben. Kleiner Tip: Schokoladeneis war besonders gut!
Der Highway 6 ist eine für Radfahrer eher unübliche Strecke. Die kürzere und beliebtere Route führt über die Crown Range und den Skiort Cardrona. Eine Passtrasse die auf über 1100m Höhe hinaufführt. Die höchste, auf einer Hauptstraße erreichbare Stelle in Neuseeland. Jeder darf wiederum genau einmal raten, wieso wir diese Strecke mieden.
Auf dem Umweg fuhren wir Teile des Queenstown Trails, der am Kawarau River entlang führte. So durften wir auch die Kawarau Gorge Suspension Bridge queren. Die Brücke ist Standort der weltweit ersten, kommerziellen Bungyplattform, die hier 1988 errichtet wurde. In einer spektakulären Kulisse können sich mutige oder verrückte Menschen (je nach Betrachtungsweise) für 195NZ$ von der 43m hohen Brücke stürzen. Wir sind zwar verrückt, weil wir in Neuseeland Rad fahren, für einen Sprung reichte das jedoch nicht aus. Zuzuschauen war trotzdem spannend.
Der Highway von Cromwell nach Wanaka wollte gefahren werden ohne viel zu bieten. Dafür war das Wetter richtig schön und bot auf der folgenden Strecke eine ungetrübte Sicht auf die herrliche Landschaft rund um die Seen Lake Wanaka und Lake Hawea. Dass wir auf diesem Teil unserer Route wieder mal gegen heftigen Gegenwind ankämpfen mussten, soll hier nur eine kurze Randnotiz sein.
In Makarora war dann Schluss. Sowohl mit unserer Tagesetappe als auch mit dem guten Wetter. Zwei Tage mussten wir aussitzen, während um uns herum die Welt absoff. Dann endlich konnten wir weiter über den Hasst Pass an die Westküste. Eine hungrige Meute von Sandflies erwartete uns bereits in Haast.

06.02.2017 - Die Westküste bis Greymouth

Die Westküste Neuseelands. Tja, was soll man da schreiben, wenn man nicht schon wieder über all den Regen lamentieren will. Und all die Sandflies, diese furchtbaren, blutsaugenden,  nichtsnutzigen, kleinen…. aber lassen wir das.
Der Haast Pass. Ja, der war schön und in Richtung Westen auch nicht steil zu fahren. Der Rest war hauptsächlich Regenwald, gespalten durch den Highway, der sich mehr oder weniger der Küste entlang nach Norden schlängelte. Die Westküste der Südinsel ist definitiv Wandergebiet. Von der Straße aus erschloss sich uns die Schönheit nur selten. Ausnahmen bot die Region um die beiden Gletscher Fox Glacier und Franz Josef Glacier. Richtig, das hat was mit dem österreichischen Kaiser zu tun. Die Pancake Rocks, nördlich von Greymouth, gehörten auch dazu. Aber da waren wir ja schon Anfang Dezember.
Der Fox Glacier lag als erstes auf unserer Route. Der Parkplatz war über einen schönen Fuß- und Radweg leicht zu erreichen. Von dort liefen wir ein Stück, um dann von einem Pappschild in Form eines Rangers aufgehalten zu werden. Viel zu gefährlich sei ein weiters Vordringen, stand dort. Wie immer bei solchen Schildern interessierte es niemanden. Wirklich beängstigend aber war, dass auf dem weiteren Weg über teilweise steile Geröllfelder, auch ein kleiner Bach überquert werden musste, was viele der Touristen dazu bewog, den Weg mit Badelatschen zurückzulegen. Unglaublich, aber welches Schild soll so etwas verhindern?
Hatte uns der Fox Glacier zumindest gut gefallen, so waren wir am darauffolgenden Tag vom Franz Josef Glacier wirklich beeindruckt. Die Landschaft drumherum war grandios und bot dem Gletscher einen würdigen Rahmen. Vom Parkplatz aus waren wir gute zwei Stunden hin und zurück unterwegs. Am Morgen hatten wir noch einen Abstecher zum Lake Matheson mit seiner berühmten Spiegelung gemacht. Die Umrundung dauerte auch hier eine Stunde. Da soll niemand mehr behaupten, wir würden in Neuseeland nur Radfahren und nicht wandern.
Mit ein Problem der abgelegenen Orte an der Westküste, sind die spärlichen Einkaufsmöglichkeiten und damit die ungeheueren Preise. Sind die Preise in Neuseeland eh schon hoch, so waren sie hier noch höher. Kostete ein halbes Pfund Butter normalerweise schon 5,00 Euro, so waren es hier ganze 7,00 Euro. Unsere geliebte Tafel Schokolade ging für 4,50 Euro über den Tresen. Genauso wie eine Tüte Gummibärchen. 250g neuseeländischer Industriekäse wollten mit rund 7,00 Euro bezahlt werden. Importierter Käse war unbezahlbar. Eine Flasche Bier kostete 5,50 Euro. Und dabei sind Radfahrer doch immer hungrig und durstig…

19.02.2017 - Arthur's Pass - Coast to Coast

Seit wir am 11.Dezember von Greymouth nach Christchurch mit dem Bus über den Arthurs Pass gefahren waren, war für uns klar, dass wir den Pass auch mit dem Fahrrad überqueren wollen. Hatte die damalige Regenperiode eine Fahrt noch verhindert, so hatten wir diesmal strahlend schönes Wetter. Allerdings mussten wir darauf erst warten. In Jacksons, am Fusse des Arthurs Passes, verbrachten wir zwei Tage in strömendem Regen. Es war zu dieser Zeit kaum vorstellbar, dass sich das wieder ändern sollte. Die Regenfälle waren wirklich heftig.
Doch wie das halt so ist in Neuseeland. Am Abend noch Weltuntergang und am nächsten Morgen wieder Sonnenschein, als ob nichts gewesen wäre. Nur die unzähligen Wasserfälle die von den Hängen stürzten, zeugten noch von den vergangenen Regentagen. In höheren Lagen gab es Neuschnee. Morgens zeigte das Thermometer gerade mal 5°C.
Der Arthurs Pass ist steil. Sehr steil. Im letzten Drittel teilweise 18 Prozent Steigung. Das Problem waren die schmalen Straßen. Auf einigen Abschnitten konnten wir nicht anhalten, weil eine Leitplanke die Fahrbahn begrenzte. Leider waren sehr viele LKWs unterwegs. Wir führten das auf den Brand zurück, der eine Woche zuvor einige Brücken der Eisenbahnstrecke Greymouth-Christchurch beschädigte. Der Zugverkehr wurde eingestellt und der Transport der Güter wurde anscheinend auf die Straße verlegt.
Trotz allem war die Überquerung ein ganz besonderes Erlebnis für uns und einer der Höhepunkte unserer bisherigen Reise. Zum einen hätten wir am Anfang unserer Tour nie geglaubt, dass wir jemals in der Lage sein werden solche Steigungen zu fahren. Zum anderen war der Arthurs Pass National Park atemberaubend. Die von einer gewaltigen Bergkulisse umrahmte Weite der Landschaft war fantastisch. Wir waren nun schon einige Zeit auf der Südinsel unterwegs und hatten einiges gesehen. Hier zu fahren war trotzdem immer noch beeindruckend.
An einem der Aussichtspunkte tummelten sich Keas. Diese intelligenten Vögel vertreiben sich gerne die Zeit auf solchen Parkplätzen. Man soll sie nicht füttern, woran sich die meisten Leute auch halten. Die Keas kommen trotzdem auf ihre Kosten. Sie sind heiss auf Türdichtungen von Autos und generell auf alles was sie mit ihren großen, kräftigen Schnäbeln bearbeiten können. Die grünen Vögel sind eine touristische Attraktion. Jeder andere Vogel würde flüchten, wenn ihm jemand ein Smartphone zum Fotografieren direkt vors Gesicht halten würde. Die Keas schauten nur gelangweilt drein.
Die Ankunft in Christchurch markierte gleichzeitig das Ende unserer Reise auf der Südinsel Neuseelands. Der hoffentlich wärmere Norden erwartete uns. Wir hatten einen Flug von Christchurch nach New Plymouth gebucht, der uns zurück auf die Nordinsel brachte.

Kleines Wunder

Nach über sechs Monaten Radreise wird es mal Zeit, unsere “kleine“ Behausung zu würdigen...

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25.02.2017 - Forgotten World Highway

Von New Plymouth radelten wir zunächst nach Stratford. Dort waren wir extra eine Nacht länger geblieben, weil wir unbedingt den Mount Egmont in seiner ganzen Pracht sehen wollten. Fast der ganze Berg war von der üblichen Glocke aus Wolken verhüllt. Dann endlich freie Sicht, so dass wir weiterfahren konnten. Allerdings war das Bild das der Berg im Sommer bot, kein Vergleich zu dem majestätischen Anblick im Winter. Es fehlte leider die Schneehaube.
Wir fuhren einmal gegen den Uhrzeigersinn um den Berg bis Stratford. Von dort bogen wir auf den Forgotten World Highway Richtung Nordosten ab. Wie der Name schon vermuten lässt, führte der Highway durch eine abgelegene Gegend. 150km durchs Nirgendwo. Ungefähr in der Mitte trafen wir auf die Republic of Whangamomona, derren Einwohner 1989 aus Protest gegen die Zentralregierung die Unabhängigkeit erklärten und sich seitdem als autonome Republik betrachten. Als Zentrum der Republik gilt das Hotel Whangamomona. Es ist wie eine Oase mitten im Bush, die dementsprechend von allen Reisenden und Einheimischen angesteuert wird.
Die Nacht verbrachten wir auf dem Ghosttown Bushlands Campground. Sechs Kilometer neben dem Highway, in völliger Abgeschiedenheit gelegen, leuchtete nachts ein spektakulärer Sternenhimmel über uns.
Bevor wir uns auf unsere Fahrt über den Forgotten World Highway aufmachten, hatten wir die übliche "Panikattacke". Es gibt für drei Tage nichts zum Einkaufen und wir werden vermutlich verhungern. Also machten wir uns vor der Abfahrt die Taschen voll. Am ersten Abend luden uns unsere netten Gastgeber am Campingplatz zum BBQ ein. Am zweiten Tag aßen wir im Whangamamona Hotel einen leckeren Burger mit Pommes. Während all der Tage genossen unsere Essensvorräte die Fahrt über die zahlreichen Hügel. Sie mussten ja nicht treten.
Der weitere Weg nach Te Kuiti war ereignislos, ausser das wir auf dem dortigen Campingplatz zum ersten Mal auf unserer Reise bestohlen wurden. Nur ein Pfund Joghurt, aber trotzdem ärgerlich. Andere Reiseradler berichteten von Bierklau. Da hatten wir ja nochmal Glück gehabt.

04.03.2017 - Waitomo Caves

Unerwartet schön wurde unser Aufenthalt in Waitomo. Wir hatten eine Tour durch eine der Glowworm Caves gebucht. Eigentlich wollten wir sowas nicht machen. Aber wenn wir nun schon mal Vorort waren.
Die Tour war toll. Über zwei Stunden durch zwei verschiedene Höhlen. Höhepunkt war die Fahrt mit einem Schlauchboot auf einem unterirdischen Flusslauf. Dieser lag in völliger Dunkelheit. Seine Decke war übersät mit Millionen von Glühwürmchen. Deren Licht spiegelte sich im Wasser und bildete so einen Lichttunnel, der wie ein Sternenmeer leuchtete. Leider ließ sich das nicht in einem Foto festhalten und selbst die vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Bilder, geben die wirkliche Szenerie nicht wieder.
Die darauf folgende Etappe nach Marokopa, brachte uns an die Westküste der Nordinsel. Vom Wetter her hatte das nichts mit der Westküste der Südinsel gemeinsam. Seit wir in New Plymouth angekommen waren, hatte sich das Wetter auf gefühlte 25 Grad eingependelt. Wir genossen es sehr, nach all dem Regen der vergangenen Wochen.
Auf der anschließenden Strecke nach Raglan radelten wir über eine 23km lange Gravel Road mit vielen steilen Aufs und Abs. Wir waren nun schon einige Schotterstraßen gefahren aber noch keine wie diese. Unsere Reifen fanden auf den losen Steinen keinen Halt und die ausgewaschene, von der Mitte nach Außen abfallende Fahrbahn, machte es schwierig die Spur zu halten. Entsprechend oft rutschten wir weg und kamen nur mühsam und schlingernd zu stehen. Unsere Flüche halten nicht nur einmal durch den Busch. Die Staubwolken der ab und zu vorbeifahrenden Autos hüllten uns ein und sorgten zusätzlich für schlechte Stimmung. Wir trafen andere Touristen, die mit dem Auto die selbe Straße gefahren waren. Auch zwei Berliner mit ihren schweren Geländemotorrädern. Selbst sie hatten Schwierigkeiten auf dieser Strecke.
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Dies war unsere letzte Gravel Road in Neuseeland.

10.03.2017 - Auckland - Abschied von Neuseeland

Von Hamilton aus fuhren wir mit dem Northern Explorer direkt ins Stadtzentrum von Auckland. Er ist einer der Scenic Trains von Kiwirail und verkehrt an bestimmten Wochentagen zwischen Auckland und Wellington. So mussten wir die verkehrsreichen Vororte von Auckland nicht mit dem Fahrrad durchqueren.
Auckland hatte uns gut gefallen, trotz der für Neuseeland unüblichen Hektik und Geschäftigkeit dieser Stadt. Zunächst hatten wir nur einen kurzen Zwischenstopp in Auckland eingelegt. Die Planung sah vor, dass wir weiter nach Norden ans Cape Reinga fahren. Nachdem wir mit der Fähre von Auckland nach Gulf Harbour übergesetzt hatten, radelten wir noch ca.15km nördlich bis Orewa. Sehr dichter Verkehr auf schmalen Straßen, viele zum Teil steile Anstiege und die schlechten Wetterprognosen ließen uns aber schließlich aufgeben. Wir wollten unsere guten Erfahrungen und tollen Erlebnisse in Neuseeland nicht mit schlechten enden lassen. Der Entschluss stand fest. Spätestens nach einem kurzen Blick auf unsere Wetter-App: Adelaide/Australien - sonnig/33Grad. Wir verlassen Neuseeland Richtung Australien!
Vor unserem Abflug verbrachten wir noch ein paar Tage in Auckland, mit gemütlichem Sightseeing und dem in Großstädten für uns schon traditionellen Friseurbesuch.
Am 11.03., morgens um 3:00Uhr, machten wir uns per Taxi auf zum Auckland International Airport. Es folgte das übliche Zerlegen und Einpacken der Räder und das Flugfähigmachen des restlichen Gepäcks. Für Schnappatmung sorgte dann noch die Nachricht einer freundlichen Mitarbeiterin von Air New Zealand. Es seien leider keine Fahrradkartons mehr verfügbar. Die Kollegen im 1km entfernten Terminal für Inlandsflüge konnten glücklicherweise aushelfen. Schwein gehabt, aber letztlich wurde es zeitlich wieder mal eng. Die Fliegerei stresst doch ziemlich. Wir waren froh als wir in Adelaide unsere Fahrräder zusammengebaut hatten und endlich wieder auf dem Fahrrad saßen. Sehr müde, aber glücklich in Australien zu sein.

Rückblick Neuseeland

Wieder mal lassen wir ein Land hinter uns und blicken auf mehr als vier Monate in Neuseeland zurück...

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