Tandem

Über eine Probefahrt


"Oh, schau nur - ein Tandem! Wäre das nicht auch was für uns?" So, oder so ähnlich waren die Ausrufe wenn wir ab und zu auf einer unserer Touren einem Tandem begegnet waren.
Von Natur aus eher skeptisch versuchte ich (Martin) stets eine unverbindliche Antwort zu finden. Nach einiger Zeit wurden die Vorstellungen von Daniela dann aber immer konkreter. Die nächste größere Tour sollte bereits mit einem Tandem zurückgelegt werden. Dies scheiterte dann doch noch (zum Glück) am Zeitplan. Trotzdem wollten wir es wenigsten einmal versuchen und haben uns kurzerhand in einem Fachgeschäft ein solches Gefährt ausgeliehen. Ein Tandem Modell "Tour" der Marke "Zwei plus zwei" stand im August 2007 vor uns.
Der erste Eindruck war mächtig, trotz sehr guter Ausstattung irgendwie altbacken, und rot. Mit hydraulischen Felgenbremsen (Magura HS33) und Rohloff 14-Gang-Nabe bewegte sich das Ganze auf hohem Niveau. Die erste Runde vor dem Laden war natürlich noch etwas wackelig. Aber eigentlich klappte es ganz gut. Trotzdem wollte sich der Aha-Effekt nicht so richtig einstellen, denn irgendwie wurden wir mit dem Ding nicht so richtig warm.
Die ersten Meter durch Freiburg wurden eine ziemliche Tortur weil das Gefährt recht widerwillig auf Richtungsänderungen reagierte. Das ständige Anhalten und wieder Anfahren und das hohe Gewicht taten ein Übriges dazu. Endlich draußen auf gerader Strecke fing es dann doch noch an, ein wenig Spaß zu machen. Die Geschwindigkeit die man in ebenem Gelände erreicht, ist um einiges höher als mit einem normalen Fahrrad.
Aufgrund der Rahmengeometrie war ich der Captain und Daniela der Stoker. Der obligatorische Wechsel der Positionen war ernüchternd. Ich saß hinten wie auf einem Kinderfahrrad. Ein vernünftiges Mittreten war durch die extrem angewinkelten Knie nicht möglich. Also wieder Position gewechselt und weiter ging es.
Was auf der Ebene schon ganz gut klappte, war am Berg eine Schinderei. Das Treten zu zweit will gelernt sein. Ich saß vorne und strampelte bis zum Abwinken, während von Daniela irgendwann der Kommentar kam: „Bergauf ist richtig Klasse, geht voll leicht, gell?” Mann kann sich vorstellen wie solch ein Spruch auf jemanden wirkt, dem gerade der Schweiß in Sturzbächen aus dem Gesicht rinnt. Wir kamen trotzdem oben an und irgendwie auch wieder runter. In der Stadt wurde es dann noch mal nervig und wir begannen tatsächlich damit, uns ein wenig anzuzicken. Nach dieser Erfahrung war für uns klar: Ein Tandem ist nichts für schwache Nerven und auch nichts für uns.
Interessant war für uns auch, dass einige der Vorteile, die oft für das Tandem aufgeführt werden, überhaupt nicht zutrafen oder wir diese sogar eher als Nachteil empfunden haben.
Beispielsweise wird oft behauptet, dass das Tandem fahren geselliger sei als mit zwei "normalen" Fahrrädern zu fahren. Wir haben hier gegenteilige Erfahrungen gemacht. Eine Unterhaltung war komischerweise während der Fahrt nicht viel einfacher als mit zwei einzelnen Rädern. Sitzt man zudem vorne, hat man das Gefühl alleine zu fahren. Mit zwei Fahrrädern fährt mal der Eine, mal der Andere vorne, oder man fährt nebeneinander her - also auch optisch zu zweit. Vorne auf dem Tandem sieht man vom hinten sitzenden nichts. Die Konversationsmöglichkeiten beschränken sich daher auf gelegentliche Zurufe, die aber leider auch notwendig sind. So richtig nervt dabei, dass man nichts alleine machen kann. Bremsen oder scharfe Kurve - man muss Bescheid sagen. Anfahren oder Anhalten - man muss sich absprechen. Ohne Freilauf kann man nicht einmal aufhören zu treten ohne es vorher "anzumelden". Mit ein bisschen Übung geht das wahrscheinlich alles besser. Trotzdem büßt man ein Stück Freiheit ein, und auf die kommt es ja beim Radreisen an...
Wir möchten hier aber auf keinen Fall Stimmung gegen das Tandem fahren machen. Es war halt nur so, dass wir überhaupt nicht damit zu Recht kamen. Letztendlich sollte jeder selbst probieren ob es ihm Spaß macht oder nicht. Auch wenn es dann doch nicht das Richtige sein sollte. Einen Tag Tandem zu fahren ist auf jeden Fall ein Erlebnis.

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