Tourismus

Über vier Millionen Kiwis und circa zweieinhalb Millionen Touristen tummeln sich jährlich auf den beiden Inseln Neuseelands. Neben vielen Asiaten ist die gefühlte Mehrheit deutschsprachiger Herkunft. Die meisten aus Deutschland, aber auch Österreicher und Schweizer sind nach unserer Erfahrung stark vertreten. Da können höchstens noch die Niederländer und die Franzosen mithalten.
In der Nebensaison sind die Campingplätze tagsüber fast wie ausgestorben, bevor sie sich gegen Abend mit Reisenden aus aller Welt füllen. Manche davon trafen wir immer wieder. Meist beim Kochen in den Gemeinschaftsküchen.
Gut ausgestattete Campingplätze, sogenannte Holidayparks, gibt es viele. Besonders die Top10 Holidayparks heben sich durch hohen Standard aus der Masse hervor. Pool, TV-Lounge, schöne, saubere Duschen und Toiletten, Haartrockner, Waschmaschinen, Wäschetrockner, jede Menge Steckdosen zum Laden unserer Geräte, Aufenthaltsräume zum Essen und voll ausgestattete Küchen mit überdachtem BBQ-Bereich. Nicht jeder Park bietet diese Ausstattung, aber alle bewegen sich auf hohem Niveau.
Holidaypark wäre auch eine passende Bezeichnung für Neuseeland als Ganzes. Wir waren Anfangs ein wenig überfordert angesichts all der Freizeitaktivitäten, die uns von den stets präsenten Werbeplakaten und Schildern angepriesen wurden. Wir können hier nicht alle aufzählen. Jeder mag sich irgend etwas ausdenken. Es ist ziemlich sicher, dass er in Neuseeland genau das finden wird. Das Problem: Es kostet Geld und das nicht zu knapp. Fast alles wird von irgend jemandem vermarktet. Der höchste Geysier? Gerne, macht dann 52NZ$! Sie wollen zu dieser Insel? Kein Problem, die Überfahrt kostet 77NZ$! Eine Höhle mit Glühwürmchen besichtigen? Klar doch, für 50NZ$ sind Sie dabei! Alles pro Person versteht sich. Andere Reisende erzählten natürlich gerne von Ihren Erlebnissen und zählten ihre Aktivitäten dabei wie Trophäen auf. Und wir? Ach, wir fahren hier nur Fahrrad… Schnell kam bei uns ein Gefühl auf, als ob wir uns an allem nicht genügend beteiligen würden und Radfahren alleine nicht ausreichend wäre. In keinem anderen Land das wir kennen, ist dies so ausgeprägt. Jeder versucht in der Zeit die ihm zur Verfügung steht, möglichst alle Sehenswürdigkeiten abzuarbeiten. Und das sind viele. Wer würde in einem Land in Europa auf diese Idee kommen? Ja, die Asiaten…aber wer sonst?
Das eigentliche Problem für Radfahrer verbirgt sich dabei in der Art zu reisen. Neuseeland ist definitiv ein Autoland. Noch mehr als in den USA lässt sich der Tourismus, so wie er vorgesehen ist, nur mit einem motorisierten Fahrzeug bewältigen. Höchstens der Wanderer oder auch der Mountainbiker kann sich dem entziehen und verschwindet auf einem Trail irgendwo im Wald. Aber auch dahin muss er erst mit dem Auto fahren.
Tatsächlich ist ein Großteil der Touristen mit gemieteten Campingfahrzeugen aller Art unterwegs. Überraschend für uns war, dass darunter viele junge deutsche Familien mit Kindern im Säuglingsalter sind, die in Neuseeland ihre Elternzeit verbringen.
Viele haben nur wenige Wochen zur Verfügung. Zwar ist Neuseeland nicht sehr groß. Die Straßen sind aber eng, und obwohl sich jeder bemüht so schnell wie möglich von A nach B zu kommen, braucht es halt seine Zeit um alle Attraktionen abzuklappern. Dementsprechend eng ist der Zeitplan.
Dabei ist das Land auch abseits seiner Sehenswürdigkeiten einfach nur grandios. Es ist schwer zu beschreiben und auch die Fotos die wir machen, zeigen leider nicht die tatsächliche Schönheit der Landschaften. Es ist mehr das Ganze, das einen umgibt, das den besonderen Reiz ausmacht und schwer auf ein einzelnes Bild reduziert werden kann. Vielleicht ist das der Grund, warum viele großartige Aufnahmen von Neuseeland aus der Vogelperspektive gemacht wurden.
Nervig ist, dass es praktisch keine Sehenswürdigkeit gibt, die nicht von Scharen von Menschen bevölkert wird. Und das ist wörtlich gemeint. Wo früher noch Menschen einfach nur besichtigten, wird heute geposed, geklettert und geturnt was das Zeug hält. Hauptsache, dass Foto oder das Selfie wird zu einem Zeugnis der eigenen Anwesenheit und zeigt möglichst spektakulär wie viel Spass man doch angeblich dabei hatte. So ist es heute kaum mehr möglich ein Foto zu machen ohne dass irgend jemand mit auf dem Bild ist. Das ist meist nicht weiter schlimm. Aber wenn derjenige beispielsweise mitten auf den Pancake Rocks steht, ist das doch ein wenig störend auf dem Bild.
Wir selber sind natürlich ebenso Teil dieses Tourismus. Wenngleich die Neuseeländer uns Radfahrer eher als verrückte Exoten denn als "vollwertige" Touristen ansehen.

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