Unser Zelt oder das kleine Wunder

Nach über sechs Monaten Radreise wird es mal Zeit, unsere “kleine“ Behausung zu würdigen. Sie hielt uns während all der Regentage trocken und schützte uns vor Wind und Wetter. Sie murrte nicht, wenn sie am Abend aufgebaut und am nächsten Morgen wieder in einen Sack gestopft wurde. Sie hatte tagelangen Dauerregen genauso weggesteckt wie sengende Sonne. Hatte Stürmen und Hagel getrotzt und Kälte erduldet. All das hat unsere Behausung, unser Zelt, für uns gemacht. Und deshalb erdulden wir mittlerweile gelassen, all die erstaunten, ungläubigen und belustigten Blicke von Radreisenden oder Wanderern auf dem Campingplatz. Oft mit dem Kommentar: „That’s a hudge tent!“
Ein amerikanischer Camper, neben dessen Campervan wir das Zelt aufstellten, meinte: „It’s not a tent, it's a ship!" Erzählten wir dies anderen Reisenden, so wurde das ganze noch gesteigert. Unser Zelt wurde dann als "The Arche“ oder „Mothership" bezeichnet.
Die Bezeichnung "Castle" hat uns bisher am Besten gefallen. Wer wohnt nicht gerne in einem Schloss. Einmal schwärmte eine Radreisende, beeindruckt von dem Platzangebot in unserem Zelt: "It's a dream….!"
Auf einem Campingplatz in Neuseeland trafen wir einen Radreisenden, der nur mit einem Tarp unterwegs war. Er mache das seit 30 Jahren so und hätte noch nie Probleme gehabt. Wir konnten es kaum glauben, als er dann am Abend tatsächlich in seinem Schlafsck unter dem dürftigen Dach verschwand.
Der Mann mit dem Tarp war das eine Extrem. Das andere sind bisher wir. Wir haben tatsächlich noch keine Radfahrer mit einem ähnlich großen Zelt getroffen. Beim Vergleich mit den winzigen Schlafsärgen, die wir oft bei Alleinreisenden Radfahren oder Wanderern sahen, hatten wir zu Beginn unserer Reise mit dem Gewicht unseres Zelts gehadert. Mittlerweile aber nicht mehr. Nur an besonders steilen Bergen kommen hin und wieder noch Zweifel auf. Aber da zweifeln wir dann sowieso an allem.
Auch der neuseeländische Dauerregen, mit Niederschlagsmengen von bis zu 70 mm pro Quadratmeter, hat unserem Zelt nichts ausgemacht. Das wir bei diesen Wassermassen im Trockenen sitzen konnten, bezeichnete Martin als "Kleines Wunder".
Und so werden wir die 5kg weiter die Berge hoch und runter fahren, um dann am Abend unser "Kleines Wunder" erneut aufzubauen. Mit all den erstaunten Blicken und all den lustigen Kommentaren.

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