Norwegen

Von Sandefjord nach Kristiansand


Durch Südnorwegen entlang der Nordseeküste, von Sandefjord nach Kristiansand. Auf dem Nordseeküstenradweg und auf Fahrstraßen.

Dauer 6 Tage Fahrt
Entfernung gesamt 361 km
Entfernung Durchschnitt pro Tag 60 km
Höhenmeter gesamt 4301 m
Höhenmeter Durchschnitt pro Tag 717 m
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Reisebericht

35.Tag - Von Sandefjord nach Helgeroa - 49 km/407 Hm

Die Sonne war wieder da. Unser erster Campingplatz in Norwegen bot eine tolle Aussicht auf den Sandefjordsfjorden. Von dem Unwetter war nichts mehr zu sehen und nach dem verregneten Vortag, genossen wir nun die ersten Sonnenstrahlen am Morgen.
Wir folgten der Radroute 1 weiter südwestlich nach Stavern. Obwohl die Gegend hier sicherlich noch recht flach war, machten uns bereits erste Berge zu schaffen. Die Route hier in Norwegen war sehr gut und wesentlich besser als in Schweden ausgeschildert. In Stavern geriet die Durchfahrt durch die Stadt aber etwas kompliziert und verworren. Die Planer hatten hier wohl krampfhaft versucht die Radler vom Verkehr fernzuhalten. Dies war eigentlich auch nicht verkehrt, denn die Autofahrer in Norwegen waren längst nicht so rücksichtsvoll wie in Dänemark oder Schweden.
In Helgeroa wollten wir die Fähre nach Langesund nehmen und so eine 40km lange Schleife um die Langesundsbukta (Bucht bei Langesund) zu vermeiden. Leider fuhr die Fähre anscheinend nur während der Sommerferien. Wir waren zu spät dran und quartierten uns deshalb auf dem Campingplatz in Helgeroa ein. Am nächsten Tag wollten wir unser Glück mit einem Taxiboot das hier angeblich verkehrte erneut versuchen.

36.Tag - Von Helgeroa nach Stathelle - 49 km/725 Hm

Der Tag begann mit einer lustigen Begebenheit. Um den Campingplatz in Helegroa zu bezahlen mussten wir am Morgen zu einer 300m entfernten  “Farm“ fahren in der sich die Campinggäste an- und abmelden sollten. Es war gegen 8:30Uhr am Samstag, also eigentlich nicht allzu früh. Trotzdem öffnete auf unser Klingeln zunächst niemand. Nach einer Weile hörten wir ein Rufen von der Rückseite des Hauses, wo sich dann ein recht korpulenter, nur mit Unterhose bekleideter Norweger, auf der Terrasse präsentierte. Etwas verschlafen teilte er uns mit: „You don’t pay“. „Why?“ fragten wir etwas verblüfft. „You are cyclist. I hope you are my fan“ war die  Antwort. Aha, alles klar. Wir hatten eher den Eindruck, dass er sagen wollte: "Vergesst die blöde Kohle und lasst mich endlich weiterschlafen." Immerhin hatten wir aber 240NK (etwa 25Euro) dadurch gespart. Danke schön! Was wohl seine Frau dazu sagte? Sie war es, die uns am Vorabend gebeten hatte am nächsten Morgen zum Bezahlen vorbei zu kommen.
Anschließend versuchten wir im Hafen nochmals unser Glück etwas über das ominöse Taxiboot nach Langesund herauszufinden. Leider konnte uns niemand weiterhelfen. Letztlich zeichnete sich ab, dass das mit dem Boot wohl nicht so einfach werden würde. Letztlich blieb uns nichts anderes übrig als die 40 Kilometer Umweg um den Langangsfjorden und den Eidangerfjorden nach Langesund in Angriff zu nehmen.
Am Anfang lief es nicht schlecht. Bei Langangen ging es einen kleine “Passstraße“ in Serpentinen hinauf. Zwischen sechs und zehn Prozent und einer Länge von etwa fünf Kilometern. Kurz vor dem Scheitelpunkt fing es dann an zu Regnen und wir stellten uns zunächst an einer Brücke unter. Ein paar Kilometer weiter, in einem Bushäuschen das wenigstens Schutz vor Wind und Regen bot, vertilgten wir am Mittag unsere restlichen Vorräte. Inzwischen regnete es stark und schien auch nicht mehr aufhören zu wollen. Also beschlossen wir nach einer Stunde warten, die restlichen 25 Kilometer nach Langesund in voller Regenausstattung weiterzuradeln.
Was für eine Quälerei! Es regnete in Strömen. Der Wind peitschte uns das Wasser ins Gesicht, so dass wir kaum noch etwas sehen konnten. Wir mussten daher höllisch aufpassen, dass wir nicht in die durch Pfützen verborgenen Löcher an den ausgespülten Straßenrändern fuhren. Es war zudem eiskalt. Die Temperaturen waren praktisch nur im Fahren zu ertragen. Wenn wir Pause machten fingen wir sofort an zu frieren.
Kurz nach Langesund fanden wir in Stathelle schließlich einen kleinen Campingplatz auf dem wir uns ein Hüttchen mieteten. Der Spaß war mit 690NK (ca. 80Euro) nicht gerade billig aber der Regen hatte immer noch nicht aufgehört und an Zelten war nicht zu denken. Unsere Radtaschen waren abgesoffen und wir mussten sie zum Trocknen komplett ausräumen. Unsere Schuhe hatten trotz Regenschutz ebenfalls ziemlich gelitten. Die Hütte war aber beheizt und so bekamen wir alles recht schnell wieder trocken.
Wegen dem schlechten Wetter und den vielen Bergen kamen wir nur sehr langsam voran. Die Moral der Truppe war außerdem nicht gerade gut. Deshalb überlegten wir uns ernsthaft die Tour durch Norwegen frühzeitig abzubrechen.

37.Tag - Von Stathelle nach Søndeled - 92 km/1463 Hm

Der Tag der uns den Rest gab…
Für uns bis dahin unvorstellbare Steigungen in unvorstellbarer Anzahl, mussten von uns bewältigt werden. Zusammen ergab dies 1450 Höhenmeter auf einer Strecke von 91 Kilometern.
Der Plan war bis Kragerø zu fahren und dort die Fähre nach Stabbestad zu nehmen. Dies hatte auch wunderbar geklappt und eigentlich waren wir zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich erschöpft. Ich wollte aber weiter fahren und auf den nächsten Kilometern einen Campingplatz ansteuern. Das Problem war, dass bis Øysang keine Gelegenheit zum Campen mehr kam und Risø als nächster Ort mit Campingplatz nur mit einer Fähre erreichbar war. Es war Sonntag und die Fähre fuhr nicht. Ein Jagdhotel in der Nähe war völlig verlassen und schied daher ebenfalls aus. Also entschieden wir uns dafür den 22 Kilometer langen Umweg um den Søndeledfjorden zu nehmen (später stellte sich heraus, dass die Fähre wegen Saisonende eh nicht mehr fuhr). Um 21:30Uhr waren wir endlich an einem Campingplatz hinter Søndeled angekommen und völlig erledigt.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir von Norwegen enttäuscht gewesen. Sicherlich ist man auf so einer langen Tour irgendwann durch die vielen Eindrücke übersättigt. Die Strecke hier in Norwegen bot aber nicht viel mehr als unsere Straße, viele Bäume (sehr waldig hier), jede menge Felsen und ab und zu den Ausblick auf einen der vielen kleinen Fjorde, die aber alle irgendwie gleich aussahen. Spasskiller Nummer eins waren die unzähligen Steigungen, die wir teilweise nur noch schiebend bewältigen konnten. Auch die starken Windböen waren nicht gerade angenehm. Das Gewicht unserer Räder über die Berge zu wuchten brachte uns an unsere körperlichen Grenzen. Immer mehr reifte der Entschluss, die Tour durch Norwegen in Kristiansand abzubrechen und die Strecke bis Bergen eventuell mit der Fähre zurückzulegen.

38.Tag - Von Søndeled nach Fevik - 75 km/835 Hm

Nach der Tortur vom Vortag waren wir heute trotzdem von Søndeled bis hinter Arendal nach Fevik weitergefahren. Den einen oder anderen Berg mussten wie wieder schieben. Wir hatten gelernt unsere Kräfte besser einzuteilen. Landschaftlich wurde es etwas offener und abwechslungsreicher. Auf dem Campingplatz in Fevik hatten wir ein Paar aus Tübingen getroffen, die mit dem Wohnmobil und dem Motorrad durch Norwegen unterwegs waren. Sie zeigten uns ein paar Bilder. Unter anderem von der Stadt Bergen, die für die Beiden eine Enttäuschung war. Also doch nicht nach Bergen? Netterweise durften wir noch unseren Flachmann (den wir zu medizinischen Zwecken mit uns führten) mit Williamsschnaps auffüllen. Der Schnaps stammte aus dem Rest eines ansehnlichen Getränkevorrats, der die Reise durch Norwegen von Tübingen aus angetreten hatte.

39.Tag - Von Fevik nach Lillesand - 41 km/418 Hm

Eigentlich wollten wir bis kurz vor Kristiansand fahren. Weil wir aber ziemlich KO waren und die Sonne so schön schien, beschlossen wir in Grimstad es ruhig anzugehen und nur bis Lillesand weiterzufahren. Ein weiser Entschluss, denn die Strecke zwischen Grimstad und Lillesand hatte es in sich. Mehrere Kilometer führte der Nordseeküstenradweg (Radroute 1) über den Vestlandske Hugelvej. Eine historische Poststraße mit sandigen Schotterwegen. Die zahlreichen Steigungen waren so stark, dass wir unsere Räder gerade noch schieben konnten. Auch die Gefälle konnten wir oft nur schiebend bewältigen, da wir im Fahren auf dem losen, steilen Untergrund wegrutschten. Erstaunlich war , wo die Norweger überall mit dem Auto fuhren. Selbst auf schmalen Schotterwegen begegneten uns Autos. Einer fuhr uns fast über den Haufen, als er mitten im Wald mit seinem Pickup ungebremst an uns vorbeiraste.
Wir gingen jeden Tag einkaufen um unsere Vorräte aufzufüllen. Um nicht so viel an Gewicht anzusammeln, kauften wir nur das was wir gerade brauchten. Hier in Norwegen wurden wir arm. Die Preise waren so hoch, dass wir in jeder Pause die wir machten Essen für etwa 8Euro vertilgten. Der Einkauf für einen Tag kostete uns etwa 30 bis 40Euro, obwohl wir schon die Billigmarken aussuchten.

40.Tag - Von Lillesand nach Kristiansand - 55 km/453 Hm

Nachdem der Tag wieder grau in grau begonnen hatte, beschlossen wir nach Kristiansand zu radeln, um dort die Fähre direkt nach Dänemark zu nehmen. Wir hatten keine Lust mehr die Berge rauf und runter zu fahren und ständig zu frieren. Der Plan mit der Fähre nach Bergen zu fahren wurde aus Kosten- und Zeitgründen aufgegeben. Außerdem sehnte wir uns nach wärmeren Temperaturen.
Auf der Strecke von Lillesand nach Kristiansand hatte sich dann unser Endschluss gefestigt. Wieder fuhren wir auf der Straße durch eine gleichförmige Landschaft, die wieder nur aus Bäumen und Felsen zu bestehen schien. Dafür war es zum Glück einigermaßen flach. Auch das Wetter drohte jeden Moment in Regen umzukippen. So waren wir froh, dass wir nach zähen 50 Kilometern endlich Kristiansand erreichten. Mit der Colorline Autofähre ging es dann am Nachmittag nach Hirtshals in Dänemark. Die Fährüberfahrt war nicht ganz billig und kostete uns satte 720NK (etwa 100Euro). Dafür war die Fähre recht schnell und wir benötigten für die Fahrt nur etwa drei Stunden.
In Hirtshals angekommen ging es mit unserer Stimmung sofort bergauf. Die Sonne schien und bescherte uns eine schöne Abendstimmung. Es war zwar windig aber warm und der Wein war bezahlbar. Mal keinen Wald zu sehen war auch recht angenehm. Überhaupt gefiel uns die flache, offene Landschaft hier an der Küste besser als die felsigen, zerklüfteten Fjorde der letzten Tage in Norwegen.

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