Niederlande

Von Termunterzijl nach Renees


Auf regionalen Radwegen, auf Fahrstraßen und auf dem Nordseeküstenradweg von Deutschland aus durch Groningen, Freisland, dem Ijsselmeer, Nord-Holland und Süd-Holland nach Belgien.

Dauer 8 Tage Fahrt / 1 Tag Pause
Entfernung gesamt 529 km
Entfernung Durchschnitt pro Tag 66 km
Höhenmeter gesamt 1262 m
Höhenmeter Durchschnitt pro Tag 158 m
GPS Track ansehen und herunterladen
Reisebericht lesen

Reisebericht

55.Tag - Von Termunterzijl nach Groningen - 43 km/167 Hm

Wieder ein Tag mit Regen und Sturmböen, die uns nur langsam vorankommen ließen. Die Regentropfen fühlten sich im Gesicht wie kleine Nadelstiche an. Wir liefen Gefahr, von den Windböen in den Straßenrand oder gegen parkende Autos gedrückt zu werden. Weil wir die Nase voll davon hatten immer gegen das Wetter ankämpfen zu müssen, beschlossen wir noch maximal eine Woche zu fahren und dann bei anhaltend schlechtem Wetter die Tour abzubrechen und an anderer Stelle fortzusetzen. Wenigstens konnten wir hier in den Niederlanden normal einkaufen. Die Preise und Produkte waren vergleichbar mit denen in Deutschland. So hatten wir immer genug Frustessen bei uns.
Wir entfernten uns von der Küste um mehr im Landesinneren zu fahren (über Slochteren nach Groningen). Dadurch versprachen wir uns etwas mehr Abwechslung und mehr Möglichkeiten um bei Regen unterzustehen. Außerdem schien es hier mehr Campingplätze als an der Küste zu geben.

56.Tag - Von Groningen nach De Veenhoop - 71 km/165 Hm

Endlich ein wenig Sonne. Der Sturm blieb aber und es war immer noch sehr kalt. Zunächst kämpften wir uns bis Groningen durch. An sich eine schöne Stadt, aber irgendwie hektisch mit all den Verkehrsteilnehmern (Busse, LKWs, Autos, Elektrorollstühle, Mopeds, Motorräder und vor allem Radfahrer) die wild durcheinander fuhren. Vielleicht mussten wir uns aber erst noch an die niederländischen Städte gewöhnen. Eine solch große Zahl an Radfahrern hatten wir noch nie zuvor gesehen. Als bepackte Liegeradler war es für uns schwer im Strom der Radfahrer mitzuschwimmen.
Der Endschluss mehr im Landesinneren zu fahren hatte sich aber bewährt (von Groningen, über Leek und Drachten nach De Veenhoop). Es war schön immer wieder durch verschiedene Städte zu kommen und außerhalb der Orte entlang der vielen Kanäle zu fahren.

57.Tag - Von De Veenhoop nach Heeg - 45 km/126 Hm

Über Sneek ging es an diesem Tag nach Heeg ans Heegermeer. Ein Shantychor-Festival in Akkrum brachte etwas Abwechslung in unseren Radleralltag. Verschiedene Chöre gaben in der Innenstadt ihr Liedgut zum Besten und wir konnten zum ersten Mal in unserem Leben Kibbeling (frittierte Fischstücke, sehr lecker) essen.
In Sneek legten wir im “Grand Café Bommel“ (ein Muss bei diesem Namen) eine Kaffeepause ein. Das Wetter zeigte sich endlich mal ein wenig freundlicher und so wurde dies seit langer Zeit der erste Tag, den wir wieder richtig genießen konnten. Das Örtchen Heeg war dann auch noch ganz schön und der dortige Campingplatz auf einem Bauernhof auch recht nett. Was will man mehr.

58.Tag - Von Heeg nach Hoorn - 45 km/52 Hm

Am Heegermeer entlang radelten wir auf direktem Weg weiter bis nach Stavoren. An einem Kanal bei Gaastmeer setzten wir mit einer kleinen Motorbootfähre über. Wie vieles hier in den Niederlanden war auch diese für Radfahrer ausgelegt und daher kein Problem für uns. Ein Personenschiff brachte uns von Stavoren zusammen mit einer Horde Rennradfahrern über das Ijsselmeer nach Enkhuizen. Den Rennradlern hatte man das Gepäck per Kleinbus hinterher gefahren. Auf dem Unterdeck des Schiffs gab es dann für sie noch lecker was zu futtern. “All inclusive“ so zu sagen. Wir mussten draußen bleiben und durften unsere Nasen an den Fenstern platt drücken…
Enkhuizen war eine sehenswerte Stadt. Hier auf dem Ijsselmeer und in den angrenzenden Häfen und Kanälen konnten wir viele (für uns) große Segelschiffe bestaunen, die hier kreuz und quer durch die Gegend segelten. Sehr hübsch anzusehen.
Weil die Überfahrt mit dem Schiff mal wieder sehr viel Zeit gekostet hatte, war kurz vor Hoorn für heute Schluss. Wir erwischten einen sehr schönen Campingplatz (Het Hof) mit einem netten Plätzchen für uns. Ein Paar aus Hessen campierte mit einem Hund neben uns. Dieser hatte einen Schaal um und war in eine Wolldecke eingepackt. Daran konnte man sehen wie kalt es war.

59.Tag - Von Hoorn nach Amsterdam - 74 km/149 Hm

Immer an der Küste des Markermeers entlang erreichten wir endlich Amsterdam. Am Morgen kamen wir zunächst durch die Stadt Hoorn und waren schlichtweg überwältigt. Der unglaublich malerische Hafen und die wirklich sehenswerte Stadt waren ein Highlight auf unserer Tour. Auch ganz hübsch war weiter südlich das Städtchen Edam und auf ganz besondere Art der angrenzende Ort Edam-Volendam. Neben Tourinepp (es gab sogar Kuckucksuhren zu kaufen) ließen sich die Gäste des Ortes Busweise auf einer riesigen Party volllaufen. Wir wussten nicht ob das Tradition hatte oder ob es einen besonderen Anlass gab. Jedenfalls war es ganz lustig anzusehen.
In Amsterdam hatten wir uns einen Campingplatz in der Nähe des Zentrums rausgesucht (Camping Zeeburg). Zwischen unzähligen Zelten unterschiedlicher Nationalität bauten wir unser mobiles Zuhause auf. Die Nacht wurde etwas unruhig. Neben Verkehrslärm ließen sich die bekifften Nachbarn nicht lumpen und feierten die halbe Nacht durch. Überhaupt schien der Sinn und Zweck einer Reise nach Amsterdam, einzig und alleine auf das “Kreisenlassen“ von Joints beschränkt zu sein. Nachvollziehbar, aber doch ein wenig schade, denn die sehenswert Stadt hat doch einiges mehr zu bieten.

60.Tag - Amsterdam

Mit der S-Bahn gelangten wir am Morgen vom Campingplatz direkt zum Bahnhof und damit fast ins Zentrum. Die Stadt lag noch relativ ruhig vor uns. Wir nutzten die Zeit bis zum Mittag für eine Grachtenrundfahrt. Gegen Mittag füllten sich die Straßen dann zusehends und alles wurde wieder niederländisch hektisch. Wir hatten uns hauptsächlich zu Fuß durch die Stadt bewegt. Die meisten der Sehenswürdigkeiten waren auf diese Art bequem zu erreichen. Mit dem Fahrrad haben wir demnach keine Erfahrung. Wir stellten es uns aber ziemlich anstrengend vor mit dem Rad durch die Stadt zu fahren. Besonders wenn man öfters stehen bleiben will um sich Dinge anzuschauen oder ein Foto zu machen. Als unerfahrene Landeier wie wir sie waren, mussten wir höllisch aufpassen nicht von einem der unzähligen Radfahrer (oder einer der unzähligen Radfahrerinnen) über den Haufen gefahren zu werden. Tatsächlich war der Autoverkehr in Amsterdam das kleinere Problem. Die Fahrräder dominierten eindeutig. Die Wettervorhersage bewahrheitete sich heute endlich und wir hatten Sonne satt. Wie immer nach so einer Stadtbesichtigung, kehrten wir am Abend ziemlich erschöpft auf den Campingplatz zurück und tauchten ein letztes Mal in die aufsteigenden Rauchschwaden ein.

61.Tag - Von Amsterdam nach Katwijk - 80 km/73 Hm

Am Morgen waren wir erst mal froh den Campingplatz in Amsterdam hinter uns lassen zu können. Die beiden vergangenen Nächte waren ziemlich unruhig. Wir versuchten auf möglichst kurzem Weg die Stadt zu verlassen. Der Radweg entlang der Amstel Richtung Süden bot sich als einfachste Variante an und führte uns auch problemlos aus Amsterdam heraus.
Auf dem Weg zur Küste kamen wir durch einige Städte. Uithoorn, Aalphen aan den Rijn (ziemlich hässlich) und Leiden (ganz nett), um nur die größten zu nennen. So langsam hatten wir uns an die Radfahrerei hier gewöhnt und schwammen ganz gut im Radverkehr mit. In Erstaunen versetzte uns aber immer noch die Art und Weise wie die Radfahrer hier durch die Gegend schossen. Oft mit Handy in der Hand oder am Ohr und in wahnwitzigem Tempo. Vom Rad absteigen schien der Niederländer unter allen Umständen vermeiden zu müssen und so wurde überall durch balanciert wo sich eine Lücke anbot. Kinder wurden häufig in Transportfahrrädern, die zwischen Steuerrohr und Vorderrad mit einer Ladefläche ausgestattet waren, transportiert. Das Highlight war eine Mutter mit zwei Kindern auf der Ladefläche. Ein drittes wurde am Arm festgehalten und so auf einem separaten Kinderrad “mitgeschleift“. Das Ganze natürlich im dichten Stadtverkehr und mit all dem Wirrwarr auf den Straßen. Respekt!
Jedes mal wenn wir unterwegs anhalten mussten, um uns auf der Karte oder mittels GPS neu zu orientieren, wurde uns sofort von jemandem Hilfe angeboten. Leider war diese nicht immer hilfreich, weil sich viele als “Pfadfinder“ überschätzten und den Weg dann nach langem hin und her doch nicht wussten. In Leiden gab uns ein Niederländer aber ein paar sehr hilfreiche Tipps und war uns sogar nochmals hintergefahren, um uns einen kürzeren Weg der ihm zwischenzeitlich eingefallen war, zu beschreiben.
Die Rezeption des Campingplatzes an der Küste in Katwijk war bereits geschlossen als wir am frühen Abend ankamen. Die Folge war eine kalte Dusche.

62.Tag - Von Katwijk nach Renesse - 101 km/313 Hm

Wieder mal kräftiger Wind. Aber heute von hinten! Wir konnten es kaum glauben, aber der Wind hatte tatsächlich gedreht und wehte nun aus nordöstlicher Richtung. Wir fuhren in südwestlicher Richtung und so düsten wir am Morgen mit 30km/h durch die Dünen.
Den Haag hatten wir nur am Strand gestreift. Es sah nicht besonders einladend aus (ziemlich touristisch mit vielen Strandbars) und wir hatten eh noch genug Eindrücke von Amsterdam.
Am Hoek van Holland nahmen wir, aufgrund einer Empfehlung eines hilfsbereiten Rennradfahrers, die Fähre nach Maasflakte. Wir erwähnten ja bereits, dass wir hier in den Niederlanden nur eine Karte in die Hand nehmen und etwa zehn Sekunden warten mussten, bis uns jemand ansprach um uns seine Hilfe anzubieten. Wirklich nett die Niederländer. Die Fährverbindung nannte sich Fast Ferry. Das Ding ging ab wie Sau. Es war sehr spaßig damit zu fahren.
In Maasflakte fuhren wir längere Zeit durch ein riesiges Industriegebiet und vorbei an Hafenanlagen. Das ging gut zu fahren und war auch nicht unangenehm. Es ging hier ganz ruhig zu und war recht interessant anzusehen. Dann noch dreimal über einen Damm gefahren und wir waren in Renesse. Die Fahrten über die Dämme waren durch den Rückenwind sehr zügig. An den Gesichtern der uns entgegenkommenden Radfahrer konnten wir sehen, dass es andersrum wohl nicht so gut lief. Aber uns ging es in den vergangenen Tagen ja auch nicht besser.
Am Campingplatz war die Rezeption schon geschlossen. Der Betreiber kam trotzdem aus seinem Haus und schenkte uns kurzerhand einen Aufenthalt für eine Nacht und zwei Duschmünzen. Wie gesagt, wirklich nette Leute die Niederländer.

63.Tag - Von Renesse nach Cadzand - 70 km/217 Hm

Wir fuhren durch eine wunderschöne Dünenlandschaft bei Burgh-Haamstede. Die Radwege durch die Dünen bestanden größtenteils aus Betonplatten die sich sehr gut befahren ließen. Der Rest war asphaltiert, was bei dem sandigen Untergrund trotzdem zu einer unebenen Fahrbahn führte. Unbefestigte Wege gab es hier in den Niederlanden bisher so gut wie keine. Zwischen Burg-Haamstede und De Banjaard fuhren wir knapp zehn Kilometer über einen Damm. Wir folgten seit Katwijk (seit Tag 60) weitgehend der Fernroute LF1 und damit dem Nordseeküstenradweg. Dieser führte uns heute in das nette Städtchen Veerse am Veerse Meer. Hier herrschte ziemlicher touristischer Rummel und anscheinend wurde hier auch gerne geheiratet. Mit Middelburg gab es dann am Nachmittag noch eine zweite schöne Stadt oben drauf.
In Vlissingen setzten wir mit der Fähre nach Breskens über um dort an der Küste weiter bis Cadzand zu radeln. Mal zur Abwechslung war die Rezeption am Campingplatz noch besetzt.
So langsam neigte sich unsere Reise durch die Niederlande dem Ende zu. Wir hatten es hier sehr genossen und waren durch viele sehr schöne Städte gekommen. Die Landschaft war selten eintönig und es gab ständig etwas zu schauen und zu bestaunen.

Galerie

Alle Bilder von den Niederlanden