Frankreich

Von Gien (Frankreich) nach Basel (Schweiz)


An der Kanalküste (Englisch Channel) entlang bis zum Mont St. Michel.
Durch die Bretagne bis nach Rennes, weiter bis an den Atlantik und dort weiter an der Küste entlang bis Nantes.
An den Flüssen Loire, Saone und Doubs entlang bis nach Mulhouse und weiter in die Schweiz nach Basel (Loire-Radweg / Eurovelo 6).

Dauer 11 Tage Fahrt
Entfernung gesamt 1764 km
Entfernung Durchschnitt pro Tag 80 km
Höhenmeter gesamt 6212 m
Höhenmeter Durchschnitt pro Tag 296 m
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Reisebericht

78.Tag - Von Saint-Malo nach Cherrueix - 53 km/328 Hm

Am Morgen besichtigten wir Saint-Malo. Die Altstadt ist komplett von einer Mauer umgeben. Die Fahrräder hatten wir draußen stehen gelassen, um sie nicht durch die schmalen Gassen schieben zu müssen.
Auf der Mauer hatten wir die Stadt einmal komplett zu Fuß umrundet. Von dort oben bot sich eine tolle Aussicht auf die umliegende Küste. Danach ging es weiter immer der Küste entlang Richtung Mont-Saint-Michel. Die Küste bis Cancale war überwältigend. Am liebsten hätten wir alle 100Meter angehalten um die wunderschöne Aussicht zu genießen. Der Aussichtspunkt Pointe Du Grouin auf der Landzunge bei Cancale bot einen herrlichen Ausblick auf die Felsenküste. Danach wurde es wieder flacher. Auf der Straße D201 und D155 konnten wir dann noch ein bisschen Strecke machen, bevor wir in Cherrueix zum Glück einen Campingplatz fanden der noch offen hatte. Alle Campingplätze an denen wir zuvor vorbeigekommen waren, hatten aufgrund der bereits beendeten Saison geschlossen.

79.Tag - Von Cherrueix nach Beauvoir - 29 km/19 Hm

Von Cherrueix radelten wir am frühen Morgen die restlichen zwanzig Kilometer zum Mont-Saint-Michel. Im Frühnebel der sich über die Felder gelegt hatte, waren nur wir und Horden von Jägern unterwegs. Sie hatten es aber zum Glück nicht auf Liegeradfahrer abgesehen. Ihre Hunde waren teilweise anderer Meinung.
Es war ein tolles Gefühl die letzten vier Kilometer mit Blick auf den Mont-Saint-Michel zu radeln. Nach den vielen tausend Kilometern war der Berg wie ein Ziel, das wir nun endlich erreicht hatten. Wir konnten ein wenig erahnen wie es den Pilgern auf ihren Reisen ergehen musste. Unsere Räder ließen wir vor dem Kloster stehen. Unbeaufsichtigt, wie so oft. Wegen den Fahrrädern an sich machten wir uns eigentlich keine Sorgen. Das Gepäck musste aber natürlich auch dran bleiben und so blieb jedes Mal das ungute Gefühl, dass etwas davon geklaut werden könnte.
Wir reihten uns schließlich in den Strom von Asiaten ein der sich durch den Eingang schob und staunten nicht schlecht über die einem Freizeitpark ähnliche Vermarktung des Klosters. Es war aber trotzdem (oder gerade deshalb?) hübsch anzusehen. Von oben bot sich bei Ebbe eine grandiose Aussicht über die Umgebung. Das Ganze war auf jeden Fall ein außergewöhnliches Bauwerk, das uns ziemlich beeindruckt hatte.
Weil wir viel Zeit zur Besichtigung benötigt hatten, suchten wir uns am Nachmittag einen Campingplatz im vier Kilometer südlich gelegenen Beauvoir.

80.Tag - Von Beauvoir nach Rennes - 98 km/515 Hm

Am frühen Morgen waren wir nochmals die drei Kilometer vom Campingplatz zum Mont-Saint-Michel geradelt. Irgendwie konnten wir uns nicht so recht von ihm trennen. Es war allerdings nicht besonders viel zu sehen, denn dichter Nebel umhüllte das Kloster. Das hatte aber auch seinen Reiz.
Auf einer selbst erstellten Route fuhren wir weiter durch die Bretagne. Das funktionierte sehr gut. Das dichte Netz an kleinen Straßen stellte sich als Radfahrparadies heraus. Selbst die größeren D-Straßen waren gut befahrbar. Wir kamen gut voran und der Verkehr war meist minimal. So hätten wir es uns auch in England gewünscht. Landschaftlich war alles sehr hübsch. Uns gefiel es hier. Ein paar Steigungen weniger hätten aber nicht geschadet.
Bei Montreuil-Sur-Ille trafen wir auf den Canal D’Ille Et Rance, der von Saint-Malo nach Rennes führte. Ab da wurde es genial, denn ein breiter Schotterweg brachte uns immer am Kanal entlang bis Rennes. Die Strecke präsentierte sich überwiegend gut befahrbar. Nur ein bisschen staubig und manchmal ein wenig holperig. Auf jeden Fall waren wir froh, den restlichen Weg bis Rennes autofrei und ohne Wegesucherei zurücklegen zu können. Schön war es noch dazu.
Rennes war recht nett aber wir hatten inzwischen keinen Nerv mehr zur Besichtigung von solch großen Städten. So fuhren und schoben wir ein bisschen umher und fanden schließlich eine Tourist-Info, die uns einen sehr schönen Campingplatz im Norden der Stadt vermittelte. In einem Wald gelegen gefiel er nicht nur uns, sondern auch einigen Kaninchen. Wie schon in Saint-Malo hoppelten sie überall herum.

81.Tag - Von Rennes nach Beslé - 83 km/325 Hm

In Rennes mussten wir heute erstmal durch die Stadt um an den Fluss Vilaine zu gelangen. Das Fahren innerhalb der französischen Städte stellte sich als relativ problemlos heraus. Oft führten markierte Radstreifen an den Straßen entlang. Was jedoch fast immer fehlte waren Wegweiser. So war auch hier in Rennes die Navigation und nicht der Verkehr das Problem.
Weil wir keinen Zugang zur Vilaine finden konnten und es anscheinend auch keinen Weg entlang des Ufers gab, suchten wir uns eine Route abseits des Flusses. Erst in Bourg-Des-Comptes stießen wir wieder auf die Vilaine und fanden dort auch wieder einen schönen Weg vor. Diesem folgten wir bis Beslé wo uns ein schöner kleiner Campingplatz am Wegesrand anlockte. Inzwischen konnten wir nicht mehr wählerisch sein, denn die Zahl der Campingplätze die zu dieser Jahreszeit noch geöffnet hatten, schrumpfte von Tag zu Tag.

82.Tag - Von Beslé nach Pénestin - 82 km/431 Hm

Unser Plan war an der Vilaine entlang bis an die Atlantikküste zu fahren. Verwöhnt von der bisherigen Strecke starteten wir mit der Erwartung an eine ebenso schöne und problemlose Route wie entlang des Canal D’Ille Et Rance und der Vilaine vom Vortag. Jedoch in Redon war der Weg bereits zu Ende. Wir suchten uns eine Route über kleinere Straßen, um es bei Rieux nochmals mit dem Fluss zu probieren. Dort war wieder ein Weg entlang des Ufers vorhanden. Dieser war aber dermaßen schlecht, dass wir nur sehr langsam voran kamen und von dem groben Untergrund ordentlich durchgeschüttelt wurden. Also hielten wir uns fortan an die D-Straßen, die uns im Eiltempo an den Atlantik nach Pénestin brachten.
Das nette Küstenstädtchen La Roche-Bernard lag heute auf unserer Strecke und bot sich zum Einkaufen an. Wir sprachen zwar beide kein französisch aber Daniela hatte das trotzdem ganz gut im Griff. Überall kamen uns die Franzosen freundlich entgegen, wenn wir grüßten und unser auswendig gelerntes „Je ne parle pas français“ hervorbrachten.
Unser Campingplatz lag direkt am Meer. Von der Gegend waren wir aber ein bisschen enttäuscht. Am Kanal zwischen England und Frankreich hatte es uns eindeutig besser gefallen. Aber wir wollten nicht vorschnell urteilen. Ein Stückchen Küste lag bis Saint-Nazaire noch vor uns.

83.Tag - Von Pénestin nach Le Croisic - 54 km/248 Hm

Die Küste an der wir entlang fuhren, war nicht das was wir erwartet hatten. Was auf der Karte wie Meer aussah, war in Wirklichkeit eine Graslandschaft unterbrochen von Wasserfeldern die zur Salzgewinnung dienten. Das Ganze war sicherlich aussergewöhnlich aber wenig spektakulär. Also radelten wir Kilometer um Kilometer vor uns hin. Das nette Örtchen Piriac-Sur-Mer bot ein wenig Abwechslung.
Immer wieder weckten wir das Interesse von Passanten oder Radfahrern die uns begegneten. Sobald wir diesen aber klar gemacht hatten, dass wir kein französisch sprechen, schwand das Interesse schnell. Nur sehr selten wollte sich einer (oder eine) auf ein Gespräch mit uns auf Englisch einlassen. Selbst ganz junge Menschen sprachen nur gebrochen Englisch. Das war schade. Natürlich war es auch schade, dass wir kein französisch sprachen.
Bei Le Pouliguen bogen wir nach Le Croisic ab, das auf einer kleinen Halbinsel lag. Dort hatten wir einen Campingplatz ausfindig gemacht. Die Rezeption war wie so oft aber schon geschlossen. In Frankreich hatten wir damit aber nie Probleme gehabt. Die Sanitärgebäude waren immer offen und die Franzosen verzichteten auf unsinniges wie Duschmünzen, Schlüssel oder gar Chipkarten.

84.Tag - Von Le Croisic nach Mindin - 47 km/239 Hm

Die Landschaft entlang der Küste von Le Croisic bis Saint-Nazaire war etwas schöner als gestern. Wir genossen die Fahrt entlang der Baie Du Pouliguen wo wir mehrere Kilometer auf einem breiten Radstreifen entlang der D92 am Meer fuhren. Wie so viele Küstenstädte auf unserer Tour bestand die Stadt auch hier aus mehr oder weniger hässlichen Hochhäusern. Dafür war es aber flach und auf der anderen Seite gab es ja den Strand und das Meer.{{br}Vor Saint-Nazaire ging es dann noch mal kräftig hoch und runter und die Strecke wurde immer industrieller. Saint-Nazaire selbst weckte nicht unser Interesse, dafür aber die Tourist-Info die in einem ehemaligen U-Boot Bunker untergebracht war. Wir deckten uns mit Karten von der Gegend ein und steuerten danach die riesige Brücke über die Loire an, da wir um auf den Loire-Radweg zu kommen die Seite wechseln mussten. Der nette Mann in der Tourist-Info versicherte uns, dass es mehrere Menschen gibt die dieses Vorhaben überlebt hatten. Tatsächlich war es auch kein großes Problem. Aber für uns war es trotzdem ein nicht alltägliches Erlebnis, denn die Straße über die Brücke hatte den Charakter einer Autobahn und mit sieben Prozent Steigung mussten wir ganz schön reintreten. Auf dem Weg nach unten machten uns dann die Windböen und der Sog der LKWs zu schaffen. Glücklicherweise befand sich auf der höchsten Stelle gerade eine Baustelle, so dass die rechte Spur gesperrt war und wir diese abseits des Verkehrs benutzen konnten. Sogar anhalten und die Aussicht genießen war dadurch möglich.

85.Tag - Von Mindin nach Ancenis - 108 km/376 Hm

Wegen der geringen Campingplatzdichte an der Loire mussten wir über 100km nach Ancenis radeln. Es war recht langweilig zu fahren und auch nicht besonders schön. Bei Le Pellerin hätten wir eigentlich die Loire auf einer Fähre überqueren müssen. Die Beschilderung sagte etwas anderes, was sich später als Fehler herausstellte. Wir kriegten uns deshalb in die Haare und verließen genervt von dem auf und ab der Strecke die ausgeschilderte Radroute. Auf den großen D-Straßen fuhren wir dann das letzte Stück nach Nantes und ließen die Stadt links liegen. In Nantes stießen wir wieder auf den (richtigen?) Loire-Radweg.
Ungefähr die letzten zwanzig Kilometer vor Ancenis führte der Radweg immer an den Bahngleisen entlang. Leider fast durchweg auf sandigem Schotter. An einer Engstelle trafen wir auf ein französisches Ehepaar um die fünfzig. Er mit einem Trike und sie mit einem normalen Rad. Wir verstanden und sprachen kein Französisch. Sie sprach ein paar Brocken Englisch und beide natürlich kein Deutsch. Er ließ sich trotzdem nicht davon abhalten fast ununterbrochen auf französisch zu plappern. Wir sprachen Deutsch und Englisch im Mix und so führten wir eine längere, recht lustige Unterhaltung und verstanden uns dabei blendend.

86.Tag - Von Ancenis nach Saumur - 123 km/375 Hm

Weil die noch geöffneten Campingplätze immer rarer wurden, mussten wir an diesem Tag wieder über 100 Kilometer fahren. Zum Glück war der Loire-Radweg gut ausgeschildert, wenn auch manche der Tafeln etwas unglücklich angebracht waren. Nicht nur einmal fanden wir den richtigen Weg nur durch probieren. Außerdem schien es einige Varianten zu geben, die immer wieder für ungewollte Umwege sorgten. Auf dem letzten Stück vor Saumur führte uns der Loire-Radweg über mehrere Hügel. Genervt von den Steigungen kehrten wir zur Fahrstraße zurück, um auf eigene Faust entlang dem Fluss weiter zu fahren. Das klappte gut und ließ uns wesentlich besser vorankommen. Saumur war uns völlig unbekannt. Eine solch schöne Stadt vorzufinden überraschte uns daher umso mehr.

87.Tag - Von Saumur nach Chinon - 41 km/174 Hm

Weil es morgens geregnet hatte, waren wir erst gegen Mittag gestartet. Zuvor hatten wir uns in Saumur ein Frühstück in einer Cafe-Bar gegönnt. Obwohl wir kein französisch sprachen, hatte Daniela die Bestellung mal wieder perfekt gemeistert. Was erstaunlich gut funktionierte, war beim Sprechen einfach etwas zu nuscheln und so unsere paar Brocken an schlechtem Französisch etwas abzurunden. Die Stadt Saumur hatte uns gut gefallen und war für uns die erste sehenswerte Stadt an der Loire. Mit imposantem Château, wie sich das gehörte.
Viele Weinberge hatten wir an diesem Tag gesehen und am Abend eine kleine Flasche aus dieser Gegend verköstigt (sehr lecker). Das kleine Weindorf Souzay-Champigny war besonders schön. Der Radweg führte durch höhlenartige Räume die in den Fels geschlagen wurden. Jetzt außerhalb der Saison waren wir dort völlig alleine unterwegs. Irgendwie war es seltsam die Liegeräder durch die engen Gassen zu schieben. Als ob man ein Fahrrad durch ein Museum schieben würde.
Immer wieder führte der Radweg durch malerische Orte mit engen Gassen die aber einige Steigungen bereithielten. Einer dieser Orte war Candes-Saint-Martin. Am Abend erreichten wir die schöne Stadt Chinon. Diese lag auf einer Variante des Loire-Radwegs und bedeutete einen Umweg von zehn Kilometern. Der Campingplatz mit Blick auf das Château von Chinon war etwas schmuddelig aber noch geöffnet. So langsam ging uns der ganze Dreck auf vielen der Campingplätze so richtig auf die Nerven.
Am nächsten Morgen erklärte uns eine belgische Camperin mit schockierter Miene, dass dasChâteau von Chinon kaputt sei. Sie habe es selbst gesehen. Unglaublich was einem als Tourist so alles als sehenswert untergejubelt wurde. Selbst kaputte Schlösser.

88.Tag - Von Chinon nach Saint-Avertin (Tours) - 68 km/230 Hm

Aus Chinon heraus ging es über einen kräftigen Anstieg am Château vorbei. Die Stadt selbst hatte eine malerische Altstadt und lohnte den Umweg den wir dafür gemacht hatten.
Die Schlossdichte nahm langsam zu. Beim Château D’Ussé trafen wir auf eine 39-köpfige Radwandergruppe aus Deutschland. Von dieser erfuhren wir, dass wir uns in der zweitwärmsten Gegend von Frankreich befanden (nach der Provence). Dies erklärte warum wir Anfang Oktober am Abend in unserem Zelt bei schwülwarmen 23°C schwitzten. Andere Schlösser wie das Château de Villandry waren weniger sehenswert. Zumindest wenn man sich wie wir, das Eintrittsgeld sparen wollte. Dann versperrten einem hohe Hecken und Mauern fast vollständig den Blick auf das alte Gemäuer.
Bréhémont bot uns an der Dorfkirche eine nette Rastgelegenheit an der Loire. Dort verspeisten wir unsere Reste an französischer Salami mit Baguette und eine halbe Tüte Gummibärchen, die hier in Frankreich selten zu bekommen waren. Die Anzahl und Qualität der Rastplätze an der Loire war recht hoch. Zudem nutzten wir dankbar und ausgiebig das Angebot an öffentlichen Toiletten, die zahlreich und in meist recht sauberem Zustand vorhanden waren.
Um in Tours Saint-Avertin zu dem Campingplatz zu gelangen, mussten wir uns über vierspurige Stadtautobahnen durch den Feierabendverkehr quälen. Dies war erstaunlich gut möglich. Der Franzose an sich schien sich über nichts zu wundern. Auch nicht über zwei voll bepackte Liegeradfahrer auf seiner Straße.

89.Tag - Von Saint-Avertin (Tours) nach Muides-Sur-Loire - 95 km/441 Hm

Durch Tours zu radeln war weniger anstrengend als befürchtet. Radstreifen und separate Radwege ließen uns entspannt der Stadt entkommen. Eine asiatische Hochzeitsgruppe, samt Oldtimer und berittener Gendarmerie, blockierte den Loire-Radweg. Dank Navigationsgerät konnten wir aber auch diese Hürde meistern. Bei der Durchfahrt durch die Stadt kamen wir an einem kleinen Spar-Laden vorbei und nutzten die Gelegenheit zum Einkauf. Es war eine sehr teure Gelegenheit. In den kleinen Läden wurde zum Teil das Doppelte wie in den großen Supermärkten verlangt.
In Amboise verweilten wir ein wenig im netten Stadtzentrum und holten uns in einer Brasserie einen aufgewärmten Crepes mit Unmengen von Zucker zu überteuertem Preis. Wir hatten noch nie zuvor einen solch schlechten Crepes gegessen. Wieder mal wurden wir ausgiebig begafft und fotografiert. Daniela nervte dies immer mehr. Immer wieder schoßen Leute ohne zu fragen Fotos von uns. Einige Tage zuvor hatte uns eine Frau sogar mit dem Auto ein Stück verfolgt um immer wieder vom Straßenrand aus Bilder zu machen. Dies war uns so ausgeprägt in keinem anderen Land passiert. In Norwegen gab es zwar ein ähnliches Erlebnis. Aber auch dort waren es französische Urlauber, die uns wie wild knipsten und filmten.
Die schöne Stadt Blois war für uns leider nicht sehenswert, weil die engen Straßen mit viel Verkehr verstopft waren und das Schieben oder gar Fahren zu anstrengend war. Also ging es weiter nach Suèvres wo wir uns im Internet einen Campingplatz ausgesucht hatten. Es stellte sich vor Ort heraus, dass dieser schon geschlossen hatte. Der seltsame Platz befand sich an einem umzäunten Château, dessen Tor abgeschlossen war. Ein aufziehendes Gewitter, dessen erste Ausläufer schon unsere Kleidung benässten ließ uns in die nächste Stadt Mer flüchten. In einem Supermarkt konnten wir unterstehen. Als der dann seine Tore schloss, machten wir uns in der Stadt auf die Suche nach einem Zimmer. Leider ohne Erfolg, denn alle Hotels oder Herbergen waren geschlossen. Wir versuchten es im nächsten Ort Muides-Sur-Loire. Um dorthin zu gelangen mussten wir in stockfinsterer Nacht eine Brücke über die Loire queren, die wegen einer Baustelle eigentlich für Radfahrer gesperrt war. In dem Ort unternahmen wir einen letzen Versuch ein Hotel oder ähnliches zu finden und stellten schließlich unser Zelt auf einem Spielplatz am Fluss auf. Direkt daneben war ein geschlossener Campingplatz. Unsere erste Nacht “wildcampen“, mitten in der Zivilisation.

90.Tag - Von Muides-Sur-Loire nach Orléans - 77 km/218 Hm

Von Muides-Sur-Loire führte uns der Loire-Radweg nach Olivet bei Orléans. Zuvor machten wir noch einen Abstecher zum Schloss Chambord, dem Schloss der Schlösser hier an der Loire. Deshalb gönnten wir es uns auch, das Ganze für 17€ von Innen zu betrachten.
Wir waren beide erschöpft und gereizt von den Anstrengungen der letzten Tage. Das Fahren war sehr ermüdend. Dies lag vor allem an den sehr schlechten Straßen und Wegen die uns bremsten. Die Asphaltdecke war meist ziemlich uneben, so dass wir ordentlich durchgerüttelt wurden. Auf den unbefestigten Wegen kamen wir über längere Strecken nur langsam voran. Mit den Liegerädern über die groben losen Steine zu fahren war nicht besonders angenehm. Daniela kam nicht so richtig in die Gänge und ich war deshalb stinkig. Wir beschlossen einen Tag Pause in Orléans einzulegen. Mit dem Campingplatz in Olivet (bei Orléans) hatten wir Glück. Die Besitzer waren äußerst nett und der Platz gefiel uns auch sehr gut. Das Stimmungsbarometer war dadurch wieder ein wenig am steigen.

91.Tag - Orléans

Der Tag Pause in Orléans tat uns so richtig gut. Wir bummelten den ganzen Tag durch die Stadt, besichtigten die beeindruckende Cathédrale Sainte-Croix und tummelten uns in Cafés und Brasserien. Da uns die Zeit für unsere Tour so langsam knapp wurde und wir eigentlich keine Lust mehr auf Frankreich hatten, besorgten wir uns am Bahnhof in Orléans ein Zugticket für eine Fahrt nach Besançon am nächsten Tag. Die freundliche, englisch sprechende Dame am Fahrkartenschalter vermittelte uns eine Verbindung über Paris und versicherte uns auf Nachfrage, dass sie wisse was Liegeräder sind und der Transport in den Zügen kein Problem sei. “Wirklich? Wir benötigen sehr viel Platz. Wir haben sehr viel Gepäck auf den Rädern.“ - “Ja, kein Problem. Da ist genug Platz in den Zügen.“
Wir steckten die Tickets freudig ein und das Unheil nahm seinen Lauf…

92.Tag - Von Orléans nach Gien - 85 km/167 Hm

Unser Versuch mit dem Zug von Orléans nach Besançon zu fahren war am Morgen gescheitert. Der Ausfall eines Zuges, die Platzverhältnisse in den Waggons und nicht zuletzt das wenig hilfsbereite Bahnpersonal hatten dazu geführt, dass wir unsere Fahrt mit der Bahn abbrechen mussten. Fast hätte die Aktion in einem Fiasko geendet und Daniela wäre mit meinem Rad in Paris gelandet während ich mit ihrem in Orléans gestanden hätte. Das Problem war, dass die als Radabteil ausgewiesenen Waggons gerade mal für ein normales unbepacktes Rad ausgereicht hätten. Mit Liegerädern und Gepäck keine Chance. Leider mussten wir diese Erfahrung selber machen nachdem die Bahnangestellten am Schalter uns versichert hatten, dass alles kein Problem sei. Ebenso bekamen wir keine Hilfe vom Personal am Zug und die anderen Fahrgäste sahen uns wohl eher als lästiges Hindernis. Daniela war stinksauer und zu allem Überfluss begann es auch noch zu Regnen. Das Wetter beruhigte sich dann aber zum Glück wieder und begnügte sich mit einem kalten Sprühregen. Uns blieb nichts anderes übrig als doch noch mit dem Fahrrad weiter zu fahren. In ihrer Wut radelte Daniela wie eine Verrückte und so kamen wir an diesem Tag ein gutes Stück bis nach Gien voran.
Am Mittag verzogen sich die Wolken sogar und die Sonne kam heraus. Die Strecke war eben und gut befahrbar. Das Wasserschloss in Sully-Sur-Loire bot was fürs Auge und Gelegenheit zu einer Rast. So kam es, dass sich unsere Stimmung wieder besserte. In Gien hatten wir schließlich einen schönen Campingplatz mit herrlicher Aussicht auf die Altstadt. Ein würdiger Abschluss, denn dies sollte der letzte Campingplatz auf unserer Tour sein. Am Abend ertränkten wir unseren Frust vom Morgen mit einer Flasche Wein.

93.Tag - Von Gien nach Nevers - 119 km/407 Hm

Auf der Strecke von Gien nach Nevers kam es uns vor allem darauf an schnell voran zu kommen. Wir hielten uns zwar weitgehend an den Loire-Radweg. Wo dieser aber auf unbefestigten Wegen entlang führte, wählten wir die Fahrstraße. Es war Sonntag und der Verkehr war minimal. Die kleineren Departement-Straßen waren aber auch sonst meist wenig befahren. Teilweise wählten wir die dem Loire-Radweg gegenüberliegende Flussseite für unsere Route. Dies brachte nicht selten zusätzliche Steigungen mit sich. Das war aber immer noch besser als die schlechte Wegequalität des Loure-Radwegs. In Nevers bezogen wir ein Ibis-Hotel nachdem wir am Campingplatz vor verschlossenen Türen gestanden hatten. Das Hotel war für uns der reinste Luxus. Obwohl es nichts besonderes war, kam uns das Badezimmer wie ein Wellness-Tempel vor. Alles war sauber, wir hatten Stühle zum Sitzen und wenn wir etwas aus unseren Radtaschen benötigten mussten wir nicht im Zelt herum kriechen.

94.Tag - Von Nevers nach Paray-le-Monial - 122 km/351 Hm

Kilometer reißen. Das schönste vom Loire-Radweg schien hinter uns zu liegen. Schlösser waren keine mehr zu entdecken und ansonsten war auch nicht viel geboten. Nach dem ganzen Ärger mit unserer missglückten Zugfahrt war uns das eigentlich ganz recht. Wir fuhren hauptsächlich auf den Fahrstraßen um die ungeliebten Schotterwege zu umgehen. Den offiziellen Loire-Radweg beachteten wir nicht. Er hätte uns einige Steigungen beschert und darauf hatten wir keine Lust. Außerdem führten die Straßen D13, D116 und D15 bis Diou immer parallel an der Loire entlang. Es war kaum Verkehr, so dass sich diese Strecke wunderbar fahren ließ. Ab Diou gab es einen schönen Radweg entlang des Canal latéral à la Loire, der uns sehr komfortabel bis nach Paray-le-Monial brachte. Frisch geteert und völlig eben war dieser Weg eine Wohltat nach all der Hoppelei der letzten Tage. In Digoin querten wir zum letzten Mal die Loire.

95.Tag - Von Paray-le-Monial nach Chalon-Sur-Saône - 107 km/312 Hm

Die D974 war heute unser ständiger Begleiter. Sie stellte eine Variante der Eurovelo 6 dar und führte immer am Canal du Centre entlang. Etwa 80 Kilometer fuhren wir so auf der mäßig bis wenig befahrenen Straße. Die Alternative wäre die Hauptroute der Eurovelo 6 gewesen, die aber einige Steigungen bereitgehalten hätte. Die Fahrt war sehr schön. Zum einen war es natürlich einfacher immer an einem Kanal entlang zu fahren, als kreuz und quer über irgendwelche Sträßchen. Zum anderen gab es immer was zu sehen. Schiffe, nette Örtchen, andere Radfahrer, oder einfach nur die schöne Landschaft des Burgunds, die mit ihren herbstlichen Bäumen und Weinbergen ein tolles Farbenspiel bot. Oder wie es ein Prospekt des Ibis-Hotels in Chalon-Sur-Saône ausdrückte: "Eine diversifizierte Landschaft von Weinbauwäldern und Abhänge am typischen Landlebensraum.“
Ab Saint-Léger-Sur-Dheune fuhren wir die letzten 30 Kilometer bis Chalon-Sur-Saône auf dem offiziellen Radweg entlang des Canal du Centre. Besonders angenehm war, dass der Weg eine ebene und vor allem glatte Asphaltdecke hatte. Das konnte man von der D974, der wir zuvor gefolgt waren, nicht behaupten. Deren Oberfläche bestand meist aus eingewalztem Schotter, der enorm bremste und dementsprechend Kräfte zehrend war. Leider ein gern verwendeter Straßenbelag in Frankreich.
In Chalon-Sur-Saône bezogen wir wieder ein Hotel der Ibis-Kette. Wir hatten damit gute Erfahrungen gemacht.

96.Tag - Von Chalon-Sur-Saône nach Saint-Jean-de-Losne - 75 km/221 Hm

Die Eurovelo 6 hätte uns an diesem Morgen quer durch die Stadt Chalon-Sur-Saône geführt, um danach weiter dem Fluss zu folgen. Auf unserer Radkarte war diese Strecke aber als schlecht befahrbar ausgewiesen. Also wählten wir wieder mal die Fahrstraße und fuhren auf kürzestem Weg nach Raconnay an die Saône. Dort ging es dann ganz offiziell auf dem Radweg weiter. Der Ort Verdun-Sur-le-Doubs an dem die Doubs in die Saône mündete war ganz nett. Ansonsten gab es nicht viel zu sehen. Leider auch selten eine Beschilderung. So führte uns der Mangel an Wegweisern ein paar Mal in die Irre. Auch quälte uns neben den gewohnt schlechten Straßen ein kräftiger und eisiger Nordwind, der uns zu Handschuhen und langen Unterhosen greifen ließ. Wir kamen nur schlecht voran und irgendwie lief es an diesem Tag nicht so gut. Was aber sehr gut lief waren unsere Nasen. Am Nachmittag hatten wir nach gut 70 Kilometern die Nase voll und gaben den Plan nach Dole zu fahren für diesen Tag auf. Stattdessen suchten wir uns ein Zimmer in Saint-Jean-de-Losne. Die Touri-Info-Dame und ein netter Engländer in einem Supermarkt waren uns dabei behilflich.
Wegen dem starken Wind mussten wir die Taschen vom Anhänger auf die Fahrräder verteilen um so den Luftwiderstand zu verringern. Eine Maßnahme die zuletzt in Dänemark notwendig gewesen war.

97.Tag - Von Saint-Jean-de-Losne nach Besançon - 91 km/272 Hm

An diesem Morgen hatten wir 2°C Kälte, Bodenfrost und jede Menge Bodennebel. Vom Tag zuvor hatten wir gelernt und uns von Anfang an mit Kopftüchern, langen Unterhosen, warmen Socken, Handschuhen und zwei Jacken übereinander ausgerüstet. Wir waren erstaunt was wir so alles dabei hatten, denn eigentlich hatten wir solche Temperaturen bei unserer Planung nicht vorgesehen. Als sich die Sonne zeigte wurde es ein wunderschöner Herbsttag der nur durch die niedrigen Temperaturen und den eisigen Wind getrübt wurde. Zunächst ging es ein Stück an der Saône entlang. Bei der schönen Stadt Dole wechselten wir an den Canal du Rhône und kurz darauf an die Doubs. Ab hier wurde die Strecke immer schöner. Die Landschaft veränderte sich. Das Tal wurde enger und tiefer eingeschnitten, was uns sehr gut gefiel. Der Radweg entlang der Doubs war gut zu fahren und asphaltiert. Auch die Beschilderung war nun wieder vorbildlich angebracht. So radelten wir bis Besançon. Kurz vor der Stadt erwischte es mich am rechten Bein. Plötzlich ein stechender Schmerz im Muskel oberhalb des Knies. Nach über 6000km und den Bergen in Norwegen war es absurd, dass ich hier beim gemütlichen Radeln auf ebener Strecke Probleme bekam. Vermutlich lag es an der Kälte. Vorsichtig konnten wir weiterfahren. In Besançon besorgten wir dann in einer Apotheke für teures Geld eine Bandage, die schlimmeres verhindern sollte.

98.Tag - Von Besançon nach Montbéliard - 100 km/397 Hm

Die Kälte war erträglich und der Wind wehte nur schwach. Die Wolken und ein wenig Regen am Nachmittag konnten unsere Laune nicht mehr trüben. Der traumhafte Radweg entlang der Doubs tat ein Übriges. Die Eurovelo 6 zeigte sich zwischen Besançon und Montbéliard von ihrer besten Seite. Der Radweg war wirklich toll, hervorragend ausgeschildert und fast durchgehend asphaltiert. Die steilen Hänge des Tals und die Felsen ergaben eine schöne Kulisse die beim Umrunden der Flussbiegungen immer wieder neue Ansichten präsentierten. Vor Montbéliard wechselte die Route wieder auf die Fahrstraße. In der Stadt selbst herrschte am Abend reger Feierabendverkehr, wodurch die Durchfahrt zu unserem Hotel in der Stadtmitte nicht besonders angenehm war. Überhaupt schien Montbéliard nicht besonders radfreundlich zu sein. Die Eurovelo 6 schlängelte sich auf recht komplizierte Art und Weise durch die Stadt und nutzte so ziemlich alles was an autofreien Wegen vorhanden zu sein schien. Der eine oder andere Radstreifen auf der Fahrbahn hätte sich hier besser gemacht.
Die Sache mit der Bandage meines Knies funktionierte zum Glück ganz gut und war im wahrsten Sinne des Wortes eine Stütze.

99.Tag - Von Montbéliard nach Weil am Rhein - 100 km/166 Hm

Nun war es soweit. Unser letzter Tag auf unserer Tour war angebrochen. 99 Tage lang waren wir nun durch acht verschiedene Länder gefahren. Das Wetter bescherte uns zum Abschluss noch ein wenig Regen. An einer Brücke am Rhein stellten wir uns ein letztes mal unter und verfütterten Brotreste an ein paar Schwäne. Wir fuhren immer am Rhein entlang und gelangten schließlich nach Weil am Rhein. Jetzt so kurz vor dem Ende der Tour störten uns der Verkehr und die Hektik der Stadt sehr. Irgendwie hatten wir keinen Nerv mehr dafür und wollten nur noch Ruhe und Erholung. Es war schon spät abends und es dämmerte bereits, als wir am Grenzübergang nach Basel ankamen. Auf der Straße, die auf der schweizer Seite über einen Anstieg auf eine Brücke mündete, drängten sich zu viele Autos. Da wollten wir nicht rüber. Da wir aber auf den Bahnhof nach Basel wollten hätten wir eigentlich müssen. Ein anderer Weg war uns nicht bekannt. Nach den Negativerlebnissen mit der französischen Bahn wohnte immer noch die Sorge in uns, dass wir auch mit den Zügen ab Basel Probleme bekommen würden. Also wollten wir uns an diesem Tag wenigstens noch informieren und die Tickets kaufen. Die Stimmung war gereizt als wir schließlich beschlossen doch in Weil am Rhein zu bleiben, ein Hotel zu suchen und erst am nächsten Tag nach Basel zu fahren. Wir irrten planlos in der Stadt umher und kamen durch Zufall an einem Schild eines Hotels vorbei. Zuerst wollten wir nicht rein, weil wir kein gutes Gefühl dabei hatten. Nachdem wir weitergefahren waren und es bereits Nacht und eiskalt war, kehrten wir aber doch wieder dorthin zurück und fanden ein nettes kleines Hotel mit einer sehr netten Gastgeberin vor. Das Hotel Victoria entpuppte sich als richtiger Glücksgriff.

100.Tag - Von Weil am Rhein nach Basel - 7 km

Nach dem leckeren Frühstück erklärte uns unsere Gastgeberin (Hotel Victoria in Weil am Rhein) den Weg zum Badischen Bahnhof in Basel, von wo aus wir mit der Bundesbahn den Heimweg antreten wollten. Dank der Wegbeschreibung und den vielen Radwegen gelangten wir mühelos und stressfrei zum Bahnhof. Auch die Zugfahrt bereitete uns zum Glück weniger Probleme als befürchtet. Die Unterführung im Badischen Bahnhof bewältigten wir über die Paketbänder an den Treppen. Der Zug stand schon eine Stunde vorher bereit, so dass wir genügend Zeit zum Einsteigen hatten. In Singen hatten wir aber Probleme aus dem voll besetzten Zug heraus zu kommen. Wie so oft war nicht der Zug selbst das Problem, sondern vielmehr die ignoranten Fahrgäste, die Niemanden duldeten der nicht ins übliche Schema passte. Schließlich kamen wir aber in unserem Heimatort Aldingen an und radelten auf dem letzten Kilometer nach Hause. Es war komisch wieder in einer vertrauten Umgebung zu sein. Trotzdem beschlich uns kein Gefühl von Wehmut oder Trauer über das Ende unserer Reise. Wir betrachteten es eher neutral. Es war halt so. Wir waren wieder zu Hause!

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