Deutschland Teil 1

Von Adligen nach Maribo (Dänemark)


Neben den selbst erstellten Routen über Fahrstraßen und straßenbgleitenden Radwegen, orientierten wir uns an den folgenden offiziellen Radwegen:

Neckartalradweg 
Durch das Neckartal von Aldingen nach Mosbach

3-Länder-Radweg 
Von Mosbach am Neckar, durch den Odenwald nach Miltenberg

Maintalradweg 
Entlang dem Main von Miltenberg nach Gemünden

Rhön-Sinntal-Radweg 
Durch das Sinntal von Gemünden nach Sinntal

Vier-Flüsse-Radweg 
(HRF R2)  Sinntal weiter bis Fulda

Fulda-Radweg 
(HRF R1)  Bis zur Weser von Fulda nach Hann. Münden

Weser-Radweg 
Hann. Münden nach Bremen entlang der Weser

Radfernweg Bremen-Hamburg 
Von Bremen nach Hamburg

Ostseeküstenradweg 
Von Lübeck nach Puttgarden (Fehmarn)

Dauer 20 Tage Fahrt / 2 Tag Pause
Entfernung gesamt 1527 km
Entfernung Durchschnitt pro Tag 76 km
Höhenmeter gesamt 6914 m
Höhenmeter Durchschnitt pro Tag 346 m
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Reisebericht

1.Tag - Von Aldingen nach Rottenburg - 90 km/530 Hm

Um 12:00Uhr mittags starteten wir von zu Hause aus. Es war ein Start auf Probe. In drei Tagen wollten wir schon wieder zurück sein, weil Daniela auf die Abschlusspartie ihrer Ausbildung gehen wollte. Daher fiel uns der Abschied leicht. Gleichzeitig war es Schade, dass es vom Gefühl her noch nicht so richtig losging. Die ersten Kilometer auf bekanntem Terrain meisterten wir souverän. Aber an das Gewicht der Räder mussten wir uns erst noch gewöhnen. Ich war froh, dass wir Tags zuvor noch mal umgepackt hatten und der Hänger nun leichter war als bei unseren Testfahrten. Nun lag auch der Lenker ruhig in der Hand. Als wir uns Talhausen näherten, interessierten wir uns für eine Hütte mit Imbiss am Radweg. Besonders die Grillwürste erweckten unsere Aufmerksamkeit. Die vielen Besucher interessierten sich dabei für uns und unserer Räder. Wir aber mussten uns erst mal daran gewöhnen so viele Blicke auf uns zu ziehen. In Horb erreichten wir unser gestecktes Ziel und suchten nach dem Campingplatz. Das Navigationssystem gaukelte uns eine zweidimensionale Welt vor und ließ uns nicht erkennen, dass unser Nachtlager hoch oben auf einem Berg errichtet werden wollte. Weil Männer nicht nach dem Weg fragen, erbarmte sich Daniela und erkundigte sich bei einer Passantin. Diese erklärte uns den Weg der steil nach oben führte und wir entschlossen uns lieber noch weiter zu fahren. 25 Kilometer später erreichten wir Rottenburg. Mir hing die Zunge am Boden und die Beine verheimlichten nicht länger, was sie vom Fahren am Berg hielten. Ich beugte mich ihrem Protest und schob die letzten Steigungen zum Campingplatz. Daniela schien weniger Probleme zu haben und ich überlegte mir bereits was wir von meinem Fahrrad auf ihres umpacken könnten. Der Campingplatz entpuppte sich als Campingclub auf dem auch “Fremde“ willkommen waren. Wir unterwarfen uns gerne der Hausordnung und schlugen unser Zelt auf der gepflegten Wiese auf.

2.Tag - Von Rottenburg nach Stuttgart - 84 km/184 Hm

Es war fast Mittag, der zweite Tag war schon längst angebrochen. Wir waren beim Abbau unseres Zeltes nachdem wir auf trockenes Wetter gewartet hatten. Natürlich ließen es sich die Clubber nicht nehmen auf ein Schwätzchen bei uns vorbei zu schauen. So erfuhren wir, dass der Sohn eines Campers in zwei Jahren mit dem Tandem um die Welt gereist war und dass es in Mecklenburg keine vernünftigen Einkehrmöglichkeiten an den Radwegen gibt. Beide Informationen brachten uns auf unserer Reise zwar nicht weiter, aber wir freuten uns trotzdem über die nette Unterhaltung.
Beim Einpacken der Sachen räumten wir um und luden mehr Gepäck auf Danielas Grasshopper. Dann ging es endlich weiter nach Stuttgart. Unterwegs machte sich die neue Gewichtsverteilung positiv bemerkbar. Wir waren jetzt beide auch am Berg gleich schnell.
In der Landeshauptstadt fuhren wir auf schönen Radwegen am Neckar entlang und weiter durch die Stadt bis zum Cannstatter Wasen. Vom Verkehr kriegten wir auf dem Neckartalradweg kaum etwas mit und die Industriebauten wurden zur sehenswerten Abwechslung.
Es war Abend. Schon bei der Ankunft am Campingplatz in Canstatt hatten wir einen Liegeradler mit Grasshopper entdeckt. Nun standen wir vor seinem Zelt und plauderten über die Vorzüge des Liegeradfahrens. Er erzählte ein bisschen und wir erfuhren, dass er mit seinem GrassHopper ebenfalls weiter in den Norden Deutschlands vordringen wollte. Bald schon kam er auf sein extra für die Tour angeschafftes GPS zu sprechen. Sein Gesicht bekam dabei Sorgenfalten und zeigte eine Mischung aus Unmut, Resignation und Hoffnung, die bei Besitzern von Elektronikgeräten häufig anzutreffen ist. Er hatte Probleme und erzählt von Karten die sich nicht bewegen wollen und Routen die keine sind. Wir konnten nicht helfen. Später kamen wir noch mal vorbei und sahen ihn mit Gerät und Bedienungsanleitung in Kreisen um das Zelt laufen. Wir hatten mit unserem Gerät mehr Glück, wenn auch die Lesbarkeit des Displays nicht immer gut war. Die schlechte Übersichtlichkeit der Karte auf dem kleinen Display tat ein Übriges. Wir waren gespannt, ob wir mit etwas Übung besser damit klar kommen würden.

3.Tag - Von Stuttgart nach Heilbronn - 68 km/248 Hm

Es war früh morgens, als wir vor unserem Zelt standen, das darauf wartete in einen engen Packsack gestopft zu werden. Alles andere war bereits verräumt und wir waren ziemlich geschafft. Die Organisation des Auf- und Abbaus machte uns mehr Schwierigkeiten als ursprünglich angenommen. Ständig suchten wir irgendetwas. Das Radeln bereitete weniger Probleme und wir waren schon früh kurz vor Heilbronn. Per Telefon klapperten wir einige Hotels in der Umgebung ab um uns schließlich für das Ibis direkt am Bahnhof Heilbronn zu entscheiden. Dank der netten Dame an der Rezeption hatten wir kurz darauf ein Zimmer für eine Nacht und konnten die Räder und unser Gepäck für zwei Tage in einem verschlossenen Raum deponieren. Am nächsten Tag wollten wir mit dem Zug zu Danielas Abschlussfeier nach Hause fahren.

4.Tag - Heilbronn

Mit dem Zug ab nach Hause.

5.Tag - Von Heilbronn nach Neckarkirchen - 36 km/140 Hm

Die Zugfahrt von zu Hause zurück nach Heilbronn dauerte bis zum frühen Nachmittag. Ich war genervt weil ich vergeblich versucht hatte die WegeRadler-Website auf unserem Notebook in Gang zu bringen. Zuvor hatte alles funktioniert aber nach jetzigem Stand würde es keine Reiseberichte von unterwegs geben. Wir schoben unsere Räder aus dem Hotel und weiter die Straße entlang weil wir nicht wussten wo der Radweg weiter ging. Als wir dann losfuhren kippte ich um weil das linke Clickpedal in dem Moment einrastete in dem ich eigentlich den Fuß wieder auf den Boden setzen wollte. Kurz darauf standen wir am Straßenrand irgendwo in Heilbronn und wussten immer noch nicht weiter. Der Verkehr raste an uns vorbei. LKWs dröhnten so laut, dass wir uns kaum verstehen konnten. Wir mussten wenden und ich bekam zu spüren was es bedeutete ein voll bepacktes Liegerad mit Anhänger durch eine Stadt zu bewegen. Wir fanden nicht wieder zurück auf den Neckartalradweg, quälten uns auf der Straße weiter und schafften es schließlich doch noch bis vor die Stadt. 36 Kilometer später gaben wir für heute auf. Wir waren auf einem Campingplatz in Neckarkirchen und platzierten unser Zelt unter ein paar Bäumen neben den Swimmingpool. Ein paar Meter abseits hatte sich eine sechsköpfige Familie angesiedelt. Die Kinder rannten mit selbst gebastelten Kronen und Schwertern aus Ästen und Zweigen umher. Der Vater fummelte an einem Fahrrad herum und trug dabei Einweghandschuhe. Ich fragte mich wieso ich nicht selbst auf so eine Idee komme und dachte dabei an die Dose Handwaschpaste in unserem Gepäck. Die Familie kam aus Oregon (USA) und wir hatten zum ersten Mal auf unserer Reise Gelegenheit unser rostiges Englisch zu benutzen. Der Mann schien uns zu verstehen, oder er tat zumindest so. Wir bestaunten den Fuhrpark der Familie der aus einem Tripple (Tandem mit drei Sitzen), einem Tandem und aus einem normalen Fahrrad bestand. Mit diesen Gefährten tourten die sechs schon seit zwei Monaten durch Europa. Auch ihr Gepäck brachte uns zum staunen, weil unseres im Vergleich dazu für eine zwölfköpfige Familie ausgereicht hätte.

6.Tag - Von Neckarkirchen nach Wertheim - 100 km/623 Hm

Wir verließen das bekannte Terrain des Neckartalradwegs und machten uns auf Richtung Main. Dazwischen lag der Odenwald. Er war eine Unbekannte auf unserem Weg durch Deutschland, denn wir hatten keine Ahnung was uns erwarten würde. Wir wussten das Mudau, Amorbach und schließlich Miltenberg am Main auf unserer Strecke lagen. Dazwischen würde es wohl ein wenig hügelig werden. Kurze Zeit später hatten wir Gewissheit und schwitzten unter der schwülheißen Sonne um die Wette. Nach Mosbach ging es 25 Kilometer nur bergauf und der unbefestigte Weg unter unseren Rädern ließ unsere Anstrengungen fast ungenutzt verpuffen. Um uns herum schwirrten Wolken von Bremsenviechern die nur darauf warteten, dass wir langsamer werden würden. Immer wieder versuchte eine besonders mutige auf einem von uns zu landen. Als es immer schlimmer wurde hielten wir an. Unter ständigen Schlagbewegungen sprühten wir uns gegenseitig mit der Chemiekeule ein und konnten so einen größeren Blutverlust verhindern.
In einem Waldstück wurden wir schließlich für unsere Mühen belohnt und sausten auf einer 10 Kilometer langen Abfahrt wieder ins Tal hinab. Der Radweg war durchgehend neu asphaltiert und ließ die kurvenreiche Fahrt zum reinen Vergnügen werden. In Miltenberg am Main konnten wir uns schließlich sicher sein, dass die Fahrt durch den Odenwald ein Ende hatte, denn ab hier folgten wir dem Maintalradweg flussaufwärts Richtung Osten. Nach einem Abstecher in die sehenswerte Fußgängerzone von Miltenberg, radelten wir weiter entlang des Mains bis kurz vor Wertheim. Alles schön eben und überwiegend befestigt wie sich das für einen Flussradweg gehört. Die Ausschilderung war auch prima (besser als am Neckartalradweg) und so erfüllten wir an diesem Tag zum ersten Mal unser selbstauferlegtes Soll von 100km Fahrstrecke am Tag.

7.Tag - Von Wertheim nach Weickersgrüben - 80 km/287 Hm

Es regnete leicht, beruhigte sich wieder und zeigte sich bewölkt, bis schließlich doch noch die Sonne heraus kam. So präsentierte sich der Himmel an diesem Morgen. Wir genossen in Marktheidenfeld den unverhofften Wetterumschwung bei Kaffee und Kuchen in einem Café am Main. Danach fuhren wir über grobes Kopfsteinpflaster durch die Innenstadt bis Daniela bemerkte, dass ihr Hinterrad platt war. Ich dachte mir „Na toll“ und „Ausgerechnet das Hinterrad“ und „Wieso hier, mitten in der Stadt?“ und „Wann hab ich eigentlich das letzte Mal einen Reifen geflickt?“. Es war der erste Platten den wir beide auf einer Tour jemals hatten und so gingen wir ein wenig unsicher ans Werk. Es klappte aber alles prima und wir setzten kurzerhand einen neuen Schlauch ein. Fürs Flicken hatten wir keine Zeit und keinen Nerv. Unsere kleine Notluftpumpe verrichtete brav ihren Dienst. Genauso wie ich, der sie mit unzähligen, schweißtreibenden Hüben bei ihrer Arbeit unterstützte. Wir waren wieder fahrbereit und radelten weiter nach Gemünden. Unterwegs kollidierte ich mit einer Biene. Der Unfall verlief für mich zunächst unspektakulär. Die Biene war anderer Meinung und stach mir ins Schienbein. Sie hatte sich wohl erschrocken und nicht mit einem solch abrupten Stopp gerechnet. Ich muss zugeben, dass ich mich an Stelle der Biene auch erschrocken hätte, aber vermutlich hätte ich nicht gestochen. In Gemünden verließen wir den Main und damit die bequemen Radwege. Die fränkische Saale übernahm die Rolle des ständigen Begleiters und brachte uns auf überwiegend unbefestigten Wegen zu unserem Campingplatz Rossmühle bei Weickersgrüben. Allerdings nicht ohne uns einen weiteren Platten an Danielas Hinterrad zu bescheren. Zwei an einem Tag und das in einem Zeitraum von mehreren pannenfreien Jahren. Ein Pessimist wer dabei an Unglück denkt. Trotzdem waren wir gut gelaunt. Die Anspannung der letzten Tage hatte sich gelöst und wir hatten zum ersten Mal das Gefühl auf großer Tour zu sein.

8.Tag - Von Weickersgrüben nach Hutten - 61 km/883 Hm

Bergetappe. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht wirklich was dieses Wort bedeutet, denn Norwegen lag noch vor uns, aber die heutige Strecke hatte diesen Namen durchaus verdient. Am Morgen wechselten wir von der fränkischen Saale an die Sinn, weil uns die Route entlang der Sinn geeigneter erschien. Dazwischen lag ein Berg. Siebzehn Prozent Steigung die uns an unsere körperlichen Grenzen brachten. Obwohl wir schoben rann mir der Schweiß in Sturzbächen aus dem Gesicht und ich zählte die Schritte bis ich wieder anhielt um zu Atem zu kommen. Es waren zwanzig Schritte. Zum Glück hatten wir bis Norwegen noch ein wenig Zeit zu trainieren. Oben angekommen führte die Straße als Berg- und Talstrecke weiter. Immer schön hoch und wieder runter. Am Schluss eine Steile Abfahrt nach Burgsinn die durch eine zwei Kilometer lange Baustelle nur schwer befahrbar war. Später kämpften wir uns über morastige Waldwege. In der Nacht hatte es langanhaltend geregnet. Wir wichen schließlich auf die Straße aus, denn diese war besser befahrbar, obwohl hier alle Verbindungstrassen zwischen den Orten über einen Berg führten. Hier irgendwo mussten die Zwerge der Gebrüder Grimm angesiedelt sein. „…aber Schneewittchen hinter den sieben siebzehnprozentigen Bergen, bei den sieben radelnden Zwergen, ist noch viel fitter als Ihr!“ Zum Glück haben die Spiegel an unseren Lenkern noch nie mit uns gesprochen. Am Abend saßen wir in einem Restaurant am Campingplatz in Hutten. Es war Eröffnungspartie und wir hatten uns Schnitzel mit Pommes bestellt. Draußen gab es Grillwurst aber wir glaubten, dass wir heute etwas Besseres verdient hatten.

9.Tag - Von Hutten nach Schlitz - 59 km/480 Hm

Wir konnten unser Zelt noch im Trockenen abbauen, aber dann hatte es auch schon wieder stark geregnet. Also warteten wir nun schon den ganzen Morgen auf besseres Wetter und fuhren schließlich bei leichtem Regen los. Einmal mussten wir noch einen Berg von Hutten nach Veitsteinbach überwinden. Danach wurde es endlich wieder flacher und sogar die Sonne war wieder zu sehen.Vor Fulda erwischte es nochmals Danielas Hinterrad. Der dritte Platten in zwei Tagen! Wir flickten nun auch das Loch im Mantel mit einem stabilen Gummiflicken. Die Vermutung lag nahe, dass Steine immer wieder durch dieses Loch gedrückt hatten. Da hätten wir eigentlich auch früher drauf kommen können! In Fulda führte der Radweg auf einem längeren Stück durch eine sehr schöne Parkanlage die gut befahrbar war und die uns direkt zum Dom führte. Während wir den Dom umkreisten und unsere Fotos machten begann es wieder zu regnen. Wir konnten uns noch rechtzeitig unterstellen bevor es anfing zu gewittern, wie aus Kübeln zu schütten und zu hageln. Zum Glück war der Spuk bald vorbei und die Sonne kam wieder heraus. Nach der Berg und Talfahrt der letzten Tage hatte sich das Auf und Ab nun von der Straße auf das Wetter verlegt. Wir fuhren weiter und der Radweg wurde hinter Fulda immer flacher. Außerdem war er fast durchgehend asphaltiert und sehr gut ausgeschildert. Schließlich erreichten wir den Campingplatz in Schlitz. Dieser war gut besucht und fest in niederländischer Hand. Am Abend gingen wir zum Frustessen (nicht wegen den Niederländern sondern wegen dem Wetter). Wieder gab es Schnitzel mit Pommes. Als wir gingen drückte uns der Gastwirt zum Abschied ein Werbeprospekt von Schlitz in die Hand. Darin abgebildet waren zwei Mädchen in Tracht. Als Bildunterschrift war zu lesen: “Allerliebste Schlitzerinnen“. Was soll man dabei denken…?

10.Tag - Von Schlitz nach Melsungen - 87 km/300 Hm

Heute morgen wieder Regen. Aber erneut schafften wir es das Zelt im Trockenen abzubauen. Der Radweg war heute eine Rennstrecke, die auf asphaltierten Wegen und gelegentlich auch auf der Straße immer in der Nähe der Fulda entlang führte. So fuhren wir mit ca. 25km/h Richtung Norden, bevor uns am Nachmittag heftiger Gegenwind den Schnitt versaute. Mit dem Wind verschwanden aber die Wolken und die Sonne kam zum Vorschein. Nach der sehenswerten Stadt Rotenburg an der Fulda, erwartete uns zwischen Morschen und Malsfeld schließlich eine besondere Attraktion. Eine Seilfähre führte hier als Variante ans andere Ufer der Fulda. Sie hätte aber auch umfahren werden können. Wir wussten zunächst nicht was wir mit dem Gefährt anfangen sollten und studierten deshalb erst mal die aufgehängten Bedienungshinweise. Das Ding war recht abenteuerlich und wollte über Kurbeln mit viel Muskelkraft betrieben werden. Wir kurbelten erst mal zur Probe bevor wir den Förderkorb mit unseren Rädern beluden und uns schließlich selber an Bord wagten. Das Ganze war anstrengender als gedacht und wir mussten uns auf der Fahrt über die Fulda beim Kurbeln abwechseln. Kurz vor dem anderen Ufer gab der Mechanismus auf und die Rutschkupplung im Antrieb verhinderte ein weiteres Vorankommen. Von den Bedienungshinweisen erfuhren wir, dass so etwas im Überlastungsfall eintritt. Dies bedeutete, dass wir angeblich über 400kg wogen. Ich verließ die Fähre und sprang ans Ufer (somit dürfte sich das Gewicht um ca. 200Kg verringert haben). Vom Ufer aus kurbelte ich Daniela mit den Rädern ins Ziel. Danach beschlossen wir beim nächsten Mal den Umweg zu nehmen. Vor Melsungen wurden wir von einem Campingplatz erwartet der mit seinen alten Sanitäranlagencontainern prima Stoff für Alpträume bereithielt. Ich konnte in der Dusche nicht mal aufrecht stehen. Ach ja, die Unmengen an Mücken, die vorbeiführende Bahnstrecke und die Baustelle nebenan sollten wir vielleicht auch noch erwähnen. Immer wieder erstaunlich ist bei solchen Campingplätzen, dass sie genauso viel Kosten wie andere weit komfortablere Plätze. Komischerweise finden sie trotzdem ihre Gäste (wie eben auch uns).

11.Tag - Von Melsungen nach Gieselwerder - 96 km/360 Hm

Um 8:30Uhr lagen wir bereits auf unseren Rädern. In Melsungen fanden wir bei einem Fahrradhändler einen passenden Reifen als Ersatz für das geflickte Hinterrad von Danielas GrassHopper. Er bekam ein Plätzchen auf unserem Anhänger. Wir radelten heute fast 100km weit. Trotz sonnigem Wetter und idealen Radfahrtemperaturen quälte sich Daniela den ganzen Tag und auch ich war ziemlich schlapp. Wir hatten immer noch nicht unseren Rhythmus gefunden, weder beim Radeln noch beim Campen. Irgendwo an der Weser fuhr ich fast über eine Katze. Wer bei einer Kollision größeren Schaden genommen hätte blieb ungeklärt. Am Abend, auf dem Campingplatz in Gieselwerder, bekam Danielas GrassHopper den neuen Reifen aufs Hinterrad und wir damit hoffentlich unsere Ruhe. In der Nacht gewitterte es ziemlich heftig. Unser erstes Gewitter im Zelt und dann gleich das volle Weltuntergangsszenario. So richtig wohl war uns nicht, als die Blitze fast pausenlos über den Himmel zuckten, Regen und Donner ohrenbetäubend wüteten und Sturmböen heftig am Zelt zerrten. Zum Glück blieb das Zelt aber dicht und wir unversehrt. Unseren Nachbarn sollte es schlechter ergehen. Das Vater-Sohn-Gespann auf Urlaub, wurde in seinem Zelt ordentlich durchgeweicht. Es war ein minimalistisches Dreieckszelt in das wir nicht mal hineingepasst hätten. Die beiden nahmen es mit erstaunlicher Gelassenheit hin und wir bewunderten sie dafür.

12.Tag - Von Gieselwerder nach Polle - 66 km/159 Hm

Der Regen war inzwischen, zumindest am Vormittag unser ständiger Begleiter. In Bad Karlshafen steuerten wir am Mittag eine Aldifiliale an um unsere Vorräte aufzustocken. Inzwischen hatten wir uns ein Repertoire an Lebensmitteln zugelegt. Der Mensch neigt dazu Beständigkeit in sein Leben zu bringen. Diese Beständigkeit ging an diesem Tag verloren. Zum ersten Mal trafen wir auf Aldi Nord! Das bedeutete andere Produkte in völlig anderer Anordnung. Man muss nicht ins Ausland, um sich beim Einkaufen hilflos zu fühlen.Wir fuhren heute meist auf der linken Seite der Weser und damit längere Strecken auf asphaltierten Radwegen entlang der Bundesstraße. Das war zwar nicht so schön, brachte uns aber schneller voran als auf den kurvenreicheren Wegen abseits des Verkehrs. So hatten wir mit Rückenwind (ja den gibt’s tatsächlich) am Mittag immerhin noch 66km geschafft. Die Landschaft begann sich nun zu ändern und das Wesertal wurde breiter und flacher. Unterwegs begegnete uns eine große Radgruppe, die uns wild winkend und klingelnd begrüßte. Ein Mann rief uns im vorbeifahren zu: „Wir haben auch einen!“ und meinte damit einen Liegeradfahrer der im Pulk mitfuhr. Hoffentlich behandeln sie ihn gut, dachten wir bei uns. In Polle war für heute Schluss und wir konnten unser Zelt noch bei Sonnenschein aufstellen. So hatten wir endlich mal Gelegenheit alles wieder richtig zu trocknen und zu lüften. Wir sahen inzwischen aus wie Streifenhörnchen verkehrt. Vorne Braun und hinten weiß. Wahrscheinlich sehen alle Liegeradfahrer so aus.

13.Tag - Von Polle nach Rinteln - 77 km/200 Hm

In Greven wechselten wir an diesem Tag zunächst das Ufer mit einer kleinen Solarfähre. Auf der rechten Seite der Weser kamen wir auf asphaltierten Wegen gut voran und mussten nicht, wie auf der linken Seite, der viel befahrenen Straße folgen. Der Fährmann war erstaunt über unsere Gefährte und half uns die schweren Räder in das kleine Boot zu hieven. Als wir dann Ablegen wollten fuhren wir ein paar Meter und dann ging auf einmal gar nichts mehr. Das Boot stand still und bewegte sich keinen Zentimeter vorwärts. Vor lauter Aufregung hatte der Kapitän vergessen alle Leinen zu lösen! Mit großem Geschmunzel fuhren wir zurück und mit gelösten Tauen auch schließlich ans andere Ufer. Immer wieder regnete es an diesem Tag zum Teil heftig. Den ersten stärkeren Regenguss saßen wir noch in einer Campingplatzgaststätte bei Kaffee und Kuchen aus. Einen weiteren in Hameln und diverse andere unter verschiedenen Brücken. Überhaupt hatten wir in den letzten Tagen öfters Gelegenheit die eine oder andere Brücke bei einem Regenguss genauer zu besichtigen. Inzwischen fühlten wir uns da auch heimisch. Das schlechte Wetter versaute uns auch heute das Tagessoll. Am Abend steuerten wir den Campingplatz Doktorsee bei Rinteln an. 150 Hektar abgesperrtes Gelände, 1500 Stellplätze, ein Baggersee, und am nächsten Tag eine Party die schon heute eine gewisse Festivalstimmung aufkommen ließ. Die Sonne ließ sich sogar auch noch blicken. Am nächsten Tag sollte das Wetter angeblich besser werden aber das hörten wir nun schon seit Tagen.

14.Tag - Von Rinteln nach Stolzenau - 80 km/345 Hm

Der Tag fing mit Sonnenschein gut an und endete schließlich eher schlecht mit viel Regen. Dazwischen lag ein nicht enden wollender Berg, ein Gewitter, viel Wind (von vorne als auch von hinten), Kaffe und Kuchen und 80km.Wir fuhren von Rinteln, über Porta Westfalica und Minden, nach Stolzenau. Die Wegequalität war, bis auf ein längeres Stück hinter Minden, eher bescheiden. Auch die Stimmung war heute eher schlecht, denn der ständige Regen schlug uns langsam auf's Gemüt. Es gab zwar auch sonnige Abschnitte aber das Wetter änderte sich immer wieder sehr schnell zum Schlechten. Am Mittag fanden wir gerade noch auf einem Hof eine Zuflucht vor einem herannahenden Gewitter. Irgendwie kamen wir nicht richtig voran. Während der heftigen Regenschauer hatten wir keine Lust zu fahren und verbrachten deshalb sehr viel Zeit mit Warten auf besseres Wetter. Zum Glück schafften wir es auf demCampingplatz in Stolzen das Zelt am Abend im Trockenen aufzubauen, bevor es dann wieder wie aus Kübeln zu gießen begann. Weil es so kalt und nass war, gönnten wir uns heute ein Frustessen im Gasthaus.

15.Tag - Von Stolzenau nach Horstedt - 81 km/164 Hm

Frühstück in Stolzenau. Kurz darauf wieder heftiger Regen, den wir in einem sehr alten Cafe neben der Kirche in Nienburg aussaßen. Es handelte sich angeblich um das älteste Haus der Stadt, mit einem Balken in der Gaststube, der bei Berührung sogar Glück bringen soll. Natürlich fassten wir auch mal dran. Sicher ist sicher. Zu all dem Sauwetter verfransten wir uns in Nienburg und kamen zunächst vom Weserradweg ab. Kurz darauf stießen wir aber wieder auf die ausgeschilderte Route um sie hinter Drakenburg schon wieder zu verlassen. Wir fuhren auf der Landstrasse weiter bis zu unserem Ziel nach Horstedt. Die Radwege in dieser Gegend waren so schlecht,dass wir keine Lust mehr hatten ihnen weiter zu folgen. Löchriger, unebener Asphalt und holpriges Kopfsteinpflaster. Alternativ gerne auch vom Regen aufgeweichte, unbefestigte Wege. Außerdem schaffte es die Nagel- und Scherbensuchexpertin Daniela wieder einmal einen Platten einzufahren. Eine Glasscherbe schlitzte ihren Vorderreifen auf und musste notdürftig geflickt werden. Wir hofften, dass er die nächsten Tage halten würde. Am Tag darauf wären wir in Bremen gewesen und hätten Ersatz besorgen können. Leider war dann Sonntag.Am Nachmittag machte uns immer mehr der starke Wind zu schaffen. Er war so stark, dass wir nur noch sehr mühsam vorankamen. Mit dem Wind kam zwar das schöne Wetter aber es blieb recht kalt. Ein rot glühender Sonnenuntergang am Abend ließ uns für die nächsten Tage hoffen.

16.Tag - Von Horstedt nach Wilstedt - 66 km/236 Hm

Der Tag fing richtig gut an. Gleich nach dem Aufstehen wurde ich erst mal von einer Taube beschissen. Die saß auf dem Baum unter dem wir unser Zelt aufgestellt hatten und gurrte sich die Seele aus dem Leib. Am Abend zuvor hatten wir sämtliche Vorräte vertilgt. Deshalb kamen wir ziemlich ausgehungert in Bremen an und genehmigten uns dort erstmal eine Bratwurst (sehr lecker). Danach schauten wir noch bei Starbucks vorbei (Kaffe, Kuchen, Schokolade, auch sehr lecker). Nach den obligatorischen Fotos am Rathaus und bei den Stadtmusikanten machten wir uns auf die unerwartet schwierige Suche nach einem Internetcafe. Wie bereits erwähnt, war die Installation der Website (www.wegeradler.de) auf unserem Netbook defekt. So konnten wir die Reiseberichte nicht schon vorgefertigt ins Internet stellen. Schließlich fanden wir ein Internetcafe. Leider stellte sich heraus, dass die Erstellung der unvorbereiteten Berichte viel zu viel Zeit benötigen würde. Wir mussten dasNetbook irgendwie in Gang kriegen. Bremen war sehr angenehm zum radeln. Stadteinwärts fuhren wir längere Zeit durch hübsche Parkanlagen und gelangten so mühelos ins Stadtzentrum. Alles stressfrei und unkompliziert.Ab Bremen wollten wir dann dem Fernradweg Bremen-Hamburg folgen. Dieser stellte sich aber als schlecht ausgeschildert und schlecht befahrbar heraus, so dass wir die besseren Radwege entlang der Straßen nutzten um so am Abend Wilstedt zu erreichen.

17.Tag - Von Wilstedt nach Hamburg - 113 km/507 Hm

Ein weiterer Tag im Land der Pflasterstein- und Betonplattenfetischisten. Heute war Mammutetappe. 113km von Wilstedt bis Hamburg. Der Zustand der Wege und Straßen war auffallend schlecht und nervte mit der Zeit. In Heidenau, wo sich der letzte Campingplatz vor Hamburg befand, hatten wir erst 57km geschafft. Nochmals die gleiche Strecke lag vor uns. Vor Hamburg mussten wir eine sechs Kilometer lange Steigung bewältigen, die uns kräftemäßig ziemlich zusetzte (Wieso gibt’s hier eigentlich Berge?). Unser Campingplatz in Hamburg-Stellingen lag in der Nähe des Tierparks Hagenbeck. Um Dorthin zu gelangen mussten wir quer durch Hamburg fahren. Über die Hafencity radelten wir zunächst Richtung Zentrum und weiter am Hauptbahnhof und an der Außenalster vorbei. Von dort sollte uns unser GPS zum Campingplatz leiten, was sehr gut funktionierte. Insgesamt war die Fahrt durch Hamburg nicht besonders schön, sehr zeitraubend und anstrengend. Sehr viele Ampeln zwangen uns immer wieder zum Anhalten (im Unterschied zu den Hamburgern, die sie einfach missachteten). Die Radwege wechselten häufig die Richtung oder die Straßenseite. Auf halber Strecke fragten wir in einem Hostel nach einem Zimmer, weil es mittlerweile schon 21:00Uhr war und es langsam dunkel wurde. Ich wartete draußen und beobachtete eineReisegruppeEngländer die sich vor dem Eingang versammelt hatten und Zeitmit Biertrinken überbrückten. Daniela war unterdessen drinnen und fragte nach einem Zimmer für uns. Ergebnis: „Die wollen für uns beide für zwei Nächte 132Euro haben!" Also weiter zum Campingplatz Buchholz, den wir so gegen 22:00Uhr völlig erschöpft erreichten. Im Dunkeln, in einer kleinen Nische zwischen Wohnmobilen und Campern, noch schnell das Zelt aufgebaut und ab in die Heia.

18.Tag - Hamburg

“Freier Tag“ in Hamburg. Nach der langen Etappevom Vortag, gönnten wir uns heute eine Pause um Hamburg zu erkunden. Landungsbrücken mit Hafenrundfahrt, Rathaus und Jungfernsteg. Wir pickten uns nur wenige der Sehenswürdigkeiten heraus und ließen ansonsten mal so richtig schön den Bimbam baumeln, was in Hamburg wunderbar funktionierte. Vom Campingplatz aus gelangten wir per Bus und U-Bahn ins Stadtzentrum. Es war nicht besonders schön mit dem Fahrrad durch Hamburg zu fahren (schon gar nicht mit dem Liegerad) und außerdem wollten wir den Tag ja stressfrei genießen.

19.Tag - Von Hamburg nach Lübeck - 100 km/455 Hm

Heute Morgen war der Vorderreifen von Danielas GrassHopper platt. Es schien zwar nur das Ventil zu sein, aber wir wollten den beschädigten Reifen eh ersetzen. Also machten wir uns zum nächsten Fahrradhändler auf. Am Vortag waren wir mit dem Bus an einigen Läden vorbeigekommen, die nicht weit weg von unserem Standort zu sein schienen. Zu Fuß sah die Sache jedoch nun anders aus. Nachdem der erste Händler noch geschlossen hatte, wurden wir glücklicherweise schon beim zweiten fündig. Wir gönnten uns zwei Schwalbe Marathon Plus mit extra Pannenschutz und hofften, dass wir nun etwas Ruhe vor platten Reifen haben würden. Der vordere am GrassHopper wurde gleich gewechselt, den hinteren hoben wir uns als Ersatz für später auf. Die Fahrt raus aus der Stadt, vom Campingplatz in Hamburg-Stellingen Richtung Norden, war ganz nett, gut befahrbar und führte durch viele Grünanlagen. Der Rest der Strecke bis Lübeck wurde hingegen zum reinen Kilometerreißen. Außer Kornfelder, jede Menge Bäume und ein paar unscheinbaren Örtchen, war nicht viel zu sehen. Auch einige unangenehme Steigungen mussten wir auf dieser Strecke bewältigen. Wir fuhren meist auf Radwegen entlang der Landstraßen und versuchten so eine möglichst kurze und unkomplizierte Strecke zu fahren.Auf dem Campingplatz in Lübeck ließen wir den Abend zusammen mit einem Paar aus Thüringen ausklingen. Sie hatten viel zu erzählen und einiges davon „das fetzte“.

20.Tag - Von Lübeck nach Rettin - 60 km/311 Hm

Wir lagen im Zelt. Ein Nickerchen versüßte uns den verregneten Vormittag. Mit dem Zusammenpacken unserer Sachen hatten wir es nicht eilig. Wir waren genervt, weil immer wieder Sachen verschwanden und erst nach Tagen wieder auftauchten. Überhaupt drückte seit einigen Tagen das ganze Drumherum um das Radfahren zunehmend auf die Stimmung. Zeltauf- und Abbau, Sachen aus- und wieder einpacken, Einkaufen, Wäsche waschen, Duschen, Kochen, Wartung der Räder und und und… Wir brauchten vier bis fünf Stunden täglich um diese Dinge zu erledigen! Das musste sich ändern. Nur wie? Als der Regen endlich aufhörte, zogen wir los Richtung Lübeck. In der Stadt war es dann irgendwie sehr hektisch mit dem vielen Verkehr und den Massen an Menschen die sich durch die engen Straßen zwängten. Und wir mittendrin mit unseren sperrigen Liegerädern. Wir hatten das Gefühl nur im Weg zu sein. Das machte uns keinen Spaß. Wir beschlossen deshalb, nach dem obligatorischen Besuch des Holstentors, so schnell wie möglich die Stadt Richtung Travemünde zu verlassen. Wir mussten ein ganzes Stück an der viel befahrenen Bundesstraße entlang fahren, was gut funktionierte jedoch nicht besonders schön war. Bei Israelsdorf war auf einmal Schluss und wir wussten nicht weiter. Ein Bus stand unweit von uns an einer Haltestelle. Plötzlich winkte uns der Busfahrer zu sich und wir erfuhren, dass wir nur in seinem Shuttelbus durch den Herrentunnel unter der Trave hindurch auf die andere Seite nach Kücknitz gelangen können. Der Busfahrer war sehr freundlich und half uns die schweren Räder ein- und auszuladen. Weil sonst keiner da war, fuhren wir sogar alleine in dem Bus durch den Tunnel. Bezahlen mussten wir nichts. Ein paar Kilometer weiter waren wir in Travemünde angekommen. Jetzt wurde es beschwerlich. Sehr viel Trubel und Verkehr und die schlechten Schotterwege entlang der Küste machten uns schwer zu schaffen. Wir kamen nur langsam voran. In Timmendorfer Strand mussten wir einen heftigen Regenschauer in einem Cafe aussitzen. Mit Kaffee und Kuchen war es aber mehr als erträglich. Unser Ziel war heute Rettin. Der dortige Campingplatz war ganz nett. Nur die Unmengen an Marienkäfern wurden langsam lästig.

21.Tag - Von Rettin nach Grossenbrode - 63 km/300 Hm

Heute war Bimbam-Baumel-Tag. Wir verbrachten viel Zeit am Meer und genossen es in vollen Zügen. Wir hatten es uns aber auch verdient. Ein großes gelbes Postpaket stand am Morgen vor uns, gefüllt mit allerlei Krimskrams den wir nicht mehr brauchten. Wir hatten gehofft ein paar der verschollenen Sachen dabei aufzuspüren aber manches blieb vorerst verschwunden. Jetzt war das Paket auf dem Weg nach Hause um dort geduldig auf unsere Heimkehr zu warten. Trotz GPS verfransten wir uns immer wieder und fuhren in die falsche Richtung. Die Wege waren hier ziemlich schlecht oder missverständlich ausgeschildert. In Grossenbrode schlugen wir unser Zelt recht früh auf und nutzten die Zeit für die Wartung des GrassHopper. Hinten kam der neue Reifen aus Hamburg drauf. Damit waren jetzt Vorder- und Hinterrad mit angeblich pannensicherer Bereifung bestückt. Wir waren gespannt ob es was bringen würde. Den fast neuen Reifen der nun übrig war, klemmten wir als Ersatz an den Hänger. Die Strandpromenade in Grossenbrode bot uns am Abend eine fantastische Abendstimmung am Meer und wir genossen unsere erste Flasche Wein auf dieser Tour.

22.Tag - Von Grossenbrode nach Maribo (Dänemark) - 60 km/202 Hm

Auf nach Dänemark! Wir kreisten am Morgen um die Brücke nach Fehmarn und fanden den Zugang zur Straße nicht. Ein älteres Ehepaar schickte uns schließlich durch eine unscheinbare Türe im hohen Metallzaun, der die Straße von ihrer Umgebung trennte. Und schwupps, waren wir auf dem richtigen Weg. Die Brücke führte uns übers Meer und war auf einem sehr schmalen Seitenstreifen einigermaßen gut befahrbar. Es war ein bisschen eng. Bei Gegenverkehr mussten wir absteigen, ansonsten ging’s. Wir durchquerten die Insel und machten schließlich den Fehler westlich von Puttgarden nochmals die Küste anzusteuern. Die Wege an der Küste waren sehr schlecht und der Gegenwind tat ein Übriges dazu. In Puttgarden irrten wir noch eine ganze Zeit auf dem Fährhafen umher um den Zugang zur Fähre zu finden. Wir gingen zunächst davon aus, dass sich irgendwo ein Eingang für Fußgänger und Radfahrer befinden würde, an dem wir eventuell sogar noch unsere Tickets lösen könnten. Wie sich aber herausstellte, wurden wir als Radfahrer mit den Autos gleichgestellt. Das hieß schön in die Autoschlange einreihen und mit durch die Kassenhäuschen auf die Fähre fahren. Ein etwas merkwürdiges Erlebnis, das wir zusammen mit zwei weiteren Radfahrern teilten. Wie wir später noch öfters erleben durften, war diese Vorgehensweise bei großen Fähren durchaus üblich und auch sinnvoll.
In Dänemark angekommen fuhren wir über Fahrstrassen weiter durch Lolland nach Maribo. Die Straßen waren hier viel besser als die an der Ostsee. Dazu kam noch der wenige Verkehr und an diesem Tag sogar meist Rückenwind. Da wir ziemlich viel Zeit mit der Fährüberfahrt verbraten hatten, kamen wir heute nicht sehr weit. Das wollten wir in den nächsten Tagen unbedingt ändern, sonst würden wir nie in Norwegen ankommen. In Maribo erreichten wir unseren Campingplatz. Die Dänen waren sehr freundlich und wir fühlten uns in ihrem Land sofort wohl. Auffällig war auch die Ruhe nach dem ganzen Trubel an der Ostsee.

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